Flüechrüz

Hike'n'Trail

Nach unserer gestrigen Skitour am Winterhorn – oder sollten wir es besser Nebelhorn nennen – ist Falko weiter ins Wallis gefahren. Ich will nicht den ganzen schönen Ostermontag zu Hause sitzen und mache mich nach einem ausgiebigen Frühstück und einem gemütlichen Vormittag auf den Weg. Heute allerdings ohne Ski. Die Sonne weckt Frühlingsgefühle und ich höre meine Wanderschuhe aus dem Keller bis hoch in die Wohnung rufen.

Also packe ich meinen Rucksack, Wasser, Jacke, Sonnenbrille und schon kann’s losgehen. Rein in die Wanderschuhe und fünf Minuten später stehe ich schon mit meinem kleinen Fiat am Parkplatz bei Euthal am Sihlsee. Hier will ich ein Stückchen wandern gehen. Der Hang, den ich mir ausgesucht habe ist hauptsächlich südlich ausgerichtet und im unteren Teil liegt schon kein Schnee mehr. Motiviert laufe ich los und freue mich gleich über die ersten Frühlingsblumen, die mir vom Wegrand entgegen lächeln.

Nach den ersten paar Metern erreiche ich einen Fahrweg, der bald in einen Wanderweg übergeht und mich über den Weiler mit dem schmucken Namen ‘Zipfel’ bringt. Anschliessend geht es ein Stückchen durch den Wald, bevor ich beim Punkt 1056 auf ein Fahrsträsschen treffe. Hier entschliesse ich mich, nicht die ganze Zeit nur gerade aus, sondern Richtung Heitligeer zu laufen. Wie ich später feststelle, ist das dann nicht mehr ganz so südlich ausgerichtet und hier gehts auch mehr in die Höhe.

Bevor ich dort ankomme überquere ich jedoch noch eine Alpfläche mit einer kleinen Alp bei schönstem Sonnenschein. Dann geht es wieder ein Weilchen durch den Wald. Hier liegt dann auch plötzlich etwas mehr Schnee auf dem Weg und mit jeder Wegkehre steigt die Schneehöhe. Zum Glück waren hier schon ein paar Leute unterwegs und ich habe eine schöne Spur, in der ich entlang tapsen kann. Kurz vor Heitligeer kommt der Weg aus dem Wald und hier hat es dann noch einmal deutlich mehr Schnee. Kurz vor der ‘rettenden’ Fahrstrasse gibts noch eine kleine aufgewehte Schneemauer, die ich durchqueren muss, dann geht’s erst mal wieder einfacher.

Der Strasse entlang laufe ich ohne Probleme bis nach Flüe auf mittlerweile 1280 m ü. M. Die Spuren im Schnee machen es angenehm zum Laufen und ich komme so auch trotz des Schnees gut voran. Jetzt habe ich natürlich das Flüechrüz entdeckt, dass nochmal rund 100 Höhenmeter über mir auf dem Hügel thront – da will ich jetzt hin. Leider führen die Spuren, welchen ich bis jetzt nachgelaufen bin, nicht dort hoch. Also laufe ich erst mal der Strasse weiter nach. Ich habe nämlich leider keine Gamaschen dabei und abseits der Wege ist der Schnee dann doch noch ziemlich tief.

Auf der Höhe von Oberweidli hat das Flüechrüz einen Rücken, der sich hier nach unten zieht und ein Wanderfreund hat hier auch schon den Aufstieg gewagt. Kurz entschlossen stapfe ich in die tiefen Spuren und komme so an mein ersehntes Ziel – das Flüechrüz. Von hier hat man einen herrlichen Ausblick ins Hoch-Ybrig, in die Talsohle und auf den Sihlsee. Leider hat es mittlerweile eine Wolkendecke und die Sonne ist verschwunden. Trotzdem ein schönes Gefühl, hier oben zu stehen.

Spontan entscheide ich mich, den Spuren, die den markierten Schneeschuhweg entlang führen, zu folgen. Der Gedanke ist, dass der Schneeschuhweg weiter hinten ja mit dem Strässchen, welchem ich bisher gefolgt bin, zusammen trifft. Ich stapfe also schön in einen Fussabdruck nach dem anderen. Leider war mein Vorgänger ein Mann, der vor allem bergab riesige Schritte gemacht hat und ich bin froh, dass ich einen Wanderstock dabei habe, um das Gleichgewicht bei meinem Gehampel besser halten zu können.

Nach circa zehn Minuten stelle ich dann fest, dass die Spuren leider nicht wie gedacht zum Strässchen zurück führen, sondern geradeaus in Richtung Wisstannen. So weit will ich heute nicht laufen und ausserdem werden meine Füsse ganz nass… Nun stehe ich also mitten im knietiefen Schnee und 50 Meter von mir entfernt ist die Strasse, auf der ja bestimmt die Spuren entlang führen, welchen ich vorher bergauf gefolgt bin. Also entschliesse ich mich schweren Herzens einmal durch den tiefen Schnee zu stapfen, um auf die Strasse zu kommen.

Bei jedem Schritt schiebt es meine Hosenbeine natürlich über die Schuhe und ein bisschen Schnee fällt dort rein. Ganz schnell wird’s kalt und die Hosenbeine klitschnass. Und als ich an der Strasse ankomme, muss ich auch noch feststellen, dass hier gar keine Spuren sind. Hier ist der Schnee zwar nicht ganz so tief, aber trotzdem sacke ich hin und wieder mal weg und bekomme eine neue Ladung kalten Etwas in die Schuhe, bis ich ungefähr zehn Minuten später wieder meinen Abbiegepunkt zum Flüechrüz erreicht habe.

Dort habe ich dann festgestellt, dass die Spuren, welchen ich gefolgt bin nur ein paar Meter weiter gingen, als ich vorher gegangen bin. Das habe ich aber wegen der Kurve, vor der ich Richtung Flüechrüz abgebogen bin, nicht gesehen. Tja, so kann’s gehen. Ab hier habe ich nun ja wieder eine Spur, die mich Richtung Tal bringt. Mit flotten Schritt laufe ich bergab. So werden die Füsse schnell wieder warm und auch die Hosenbeine trocknen zum Glück ziemlich schnell.

Kurz bevor ich das Tal erreiche, kommt sogar noch mal die Sonne raus und zaubert schöne Licht- und Schattenspiele, während ich durch den Wald laufe. Unten angekommen freue ich mich dann über diese schöne, kleine Wanderung und vor allem darüber, dass ich nur fünf Minuten nach Hause brauche, um unter die warme Dusche zu hüpfen.

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