Skitour auf das Brudelhorn im Obergoms

Trotz eiskalter Nacht im Zelt: eine ausgedehnte Skitour bringt uns auf das Brudelhorn im Obergoms. Die Abfahrt hält die ein oder andere Gemeinheit für uns bereit…

Ein herrenloser Campingplatz im Wallis

Nach unserer Nebel-Tour am Winterhorn fahren Annika und ich von Andermatt aus direkt weiter mit dem Furka-Autoverlad nach Oberwald im Obergoms (VS). Dort angekommen geht es noch ein paar Minuten bis nach Reckingen, wo wir in Richtung Campingplatz Augenstern abbiegen. Dort wollen wir die kommende Nacht im Zelt verbringen. Gemäss Webseite ist das ein ganzjährig geöffneter Platz. Als wir allerdings am Nachmittag dort ankommen, haben wir schnell das Gefühl, der letzte Mohikaner zu sein. Abgesehen von einem bellenden Hund an einem Wohnwagen weiter hinten scheint hier niemand zu sein. An der Tür zum Haupthaus hängt ein unglaublich lieblos hingekritzeltes Schild: “Betriebsferien“. Aha…

Annika erkundigt sich bei dem Wohnwagen mit seinem bellenden Bewacher und erhält die Antwort, dass eigentlich schon offen sei. Es würde wohl später noch jemand kommen. Ein älterer Mann schleicht noch hinter seinem Caravan herum. Wir fragen ihn zur Sicherheit auch noch und erhalten die Antwort, dass der (holländische) Inhaber des Platzes verreist sei (nach Holland) und es alles ein bisschen komisch sei, aber geöffnet sei wohl grundsätzlich schon. Die Waschräume sind auch nicht verschlossen und Duschen gibt es auch. Also entscheiden wir uns dazu, hier zu bleiben und stellen an einer schneefreien Stelle das Zelt auf.

Den restlichen Nachmittag verbringen wir noch so viel es geht in der Sonne, denn im Wind ist es doch recht kühl. Für den Abend hatte ich (da ich keinen Bock auf grosse Kochaktionen hatte) vorausschauend in unserem Geheimtipp, dem Restaurant Tenne in Gluringen, einen Tisch reserviert.. Hier haben Marina und ich schon im Sommer nach unserer Brudelhorn-Wanderung hervorragend gegessen. Dort geht’s dann zum Abendessen hin und wir geniessen ein leckeres Menü in der warmen Gaststube.

Nach einer kalten Nacht in die wärmende Sonne

Morgens geht es dann nach einer zapfig kalten Nacht im Zelt bei -12° Celsius raus. Wir bauen gleich alles ab und verstauen unseren Kram im Auto. Es folgt ein kleines Frühstück mit einer Tasse heissem Tee und anschliessend fahren wir in wenigen Minuten nach Geschinen. Hier parken wir und laufen direkt mit den Ski an den Füssen in Richtung Brudelhorn los.

Bei frischen Temperaturen geht es auf die südliche Talseite und auf der eisig gefrorenen Schneedecke zum Sommerwanderweg, den wir zum Überwinden der ersten paar hundert Höhenmeter durch den Waldgürtel benutzen werden. Anfangs müssen wir die Ski an ein paar kurzen Stellen tragen. Aber dann können wir durchgängig mit den Brettern an den Füssen aufsteigen und gewinnen so im dichten Wald rasch an Höhe. Ich dackle in meinem Tempo vor mich hin und habe so immer mal wieder Zeit für ein Foto, während ich auf Annika warte. Nach rund 600 Höhenmetern erreichen wir das Ende des Waldgürtels und eine kleine Alphütte, wo wir erstmal eine Frühstücks-Pause machen und die wärmenden Sonnenstrahlen geniessen.

Danach geht es weiter in Richtung der grossen Geländeterrasse hinauf, die Marina und ich auch schon bei unserer sommerlichen Wanderung passiert und eine riesige Schafherde getroffen haben. Schafe sind hier heute natürlich nicht anzutreffen. Dafür stossen wir langsam auf einige andere Tourengänger. Alles in allem ist aber nicht gerade viel los. Im gesamten Gebiet laufen vielleicht 20 Personen herum. Das ist absolut überschaubar  und weit entfernt von überlaufen.

Der Aufstieg zieht sich

Wir sind mittlerweile in dem grossen und weiten Talkessel angelangt, der sich bis hinauf zum Distelgrat zieht. Von dort aus müssen wir dann noch einen Rechtsbogen bis hinauf auf den Gipfel des Brudelhorn gehen. Die Spur ist teilweise unangenehm steil angelegt. Aber nachdem ich gestern schon am Winterhorn fast alles gespurt habe und dabei noch im Nebel den Navigations-Sepp für alle gespielt habe (eigentlich sollte man danach mit dem Hut rumgehen und kassieren……) laufe ich heute auch einfach in der Spur vor mich hin und nutze meine Wartepausen immer wieder für ein paar Foto-Shootings.

Oben auf dem Grat angelangt, laufe ich dann noch bis kurz vor den Gipfelaufschwung des Brudelhorn, wo ich dann auf Annika warte und mit ihr zusammen die letzten paar Höhenmeter zum Gipfel aufsteige. Interessanterweise komplett mit Ski: im Sommer muss man hier sogar teilweise mal kurz die Hände zu Hilfe nehmen, um das leichte Blockgelände zu überwinden. Jetzt liegt aber so viel Schnee, dass selbst die zerklüftete Gipfelkuppe komplett flach ist und das zwei Meter hohe Gipfelkreuz nur gerade einmal 30 – 40 cm aus dem Schnee herausschaut.

Es ist recht windig und so legen wir schnell die Jacken an. Eine herrliche Aussicht hat man von hier oben, vom Galenstock und Dammastock über die Berner Oberländer Berge mit Finsteraarhorn und Aletschhorn bis hin zu den Walliser Bergen kann man den Blick in alle Himmelsrichtungen schweifen lassen. Nachdem wir uns für die Abfahrt bereit gemacht haben, rutschen wir zügig den Gipfelhang hinunter, bis wir wieder auf dem Rücken stehen, über den wir aufgestiegen sind.

Unfreiwilliges Bad im Bruchharsch

Hier können wir nun eine direkte Variante nehmen, die wir trotz der erheblichen Lawinenwarnstufe fahren können. Einzeln pfeifen wir den Hang hinunter und halten uns dabei auf einem leichten Rücken im Hang. Danach geht es mehr oder weniger entlang der Aufstiegsroute wieder hinunter. Das verspielte Gelände mit seinen Kuppen und kleinen Hängen erlaubt dabei wirklich viel Abfahrtsspass und ist genau das Richtige für die aktuell vorherrschende Lawinensituation.

Bevor wir wieder auf die Geländeterrasse gelangen, die anschliessend in den Waldgürtel übergeht, beschliesse ich, dass wir hier direkt über die weite, flache Fläche fahren könnten.. Ich fahre mit ordentlich Tempo den letzten Hang vor der Terrasse hinunter, um die Flachstrecke gut überwinden zu können. Dummerweise hat im Flachen der Wind ordentlich gearbeitet und statt Pulver gibt es hier Bruchharsch der allerübelsten Sorte. Also Ski gerade halten und einfach laufen lassen. Irgendwann zieht es mir dann aber bei der grossen Geschwindigkeit doch einen Ski irgendwo hin und dann passiert, was passieren muss: ich lege mich rasant einmal voll auf die Klappe. Das Resultat ist das Gleiche wie vor ein paar Wochen am Laucherenstöckli – eine verschrammte Nase, sonst ist alles heil geblieben.

Also etwas langsamer doch wieder zurück in den windgeschützteren Bereich der Aufstiegsspur, bevor wir dort in wieder besserem Schnee den Waldgürtel erreichen und an der kleinen Hütte nochmals eine Pause einlegen. Dann geht es teilweise etwas stotzig durch den dichten Wald wieder hinunter bis auf den Talboden und von dort in wenigen Minuten zurück zum Auto. Mit dem Autoverlad fahren wir dann wieder zurück ins Uri und machen uns auf die Heimfahrt in die Zentralschweiz, von wo aus Annika dann direkt weiter nach Konstanz zurückfährt.

Details zur Tour

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