Koppenkarstein Nordwestwand

#storyFels
Wir starten nach einem gemütlichen Frühstück in unserem Hotel in Bad Mitterndorf und fahren hinunter ins Ennstal, wo wir rechts nach Ramsau abbiegen. Besser gesagt: wir versuchen erst einmal am Salza-Stausee die Strasse zu nehmen, laut unserer gestern gekauften Strassenkarte kann man die ja befahren. Denkste. Ein paar Verbotsschilder weiter drehen wir dann doch um und nehmen die gängige Strasse in Richtung Ramsau am Dachstein. Oben am Parkplatz der Dachsteinbahn angekommen reihen wir uns in die Menschenmenge ein und können recht zügig ein Ticket ergattern. Stolze 64 Euro kostet der Spass – die Schweiz lässt grüssen. Nur dass das hier nicht die Schweiz ist, sondern lediglich ein nicht mal 3000 Meter hoher Berg. Aber gut, ist nun mal so.
Oben angekommen quetschen wir uns an den Leuten vorbei (warum muss man eigentlich noch in der Türe der Gondel stehen bleiben und fotografieren – es könnte ja sein, dass noch andere aussteigen wollen???) und steigen ein Stückchen auf den Gletscher ab. Von dort aus geht es in zehn Minuten an die Koppenkarstein Nordwestwand, den man auch über einen Klettersteig (dort oben hat es insgesamt gefühlte 100 Klettersteige an drei Bergen ) besteigen kann.

Wir wollen aber eigentlich eine der vier eingerichteten Routen in der Wand machen – nur, wo sind die?

Eine nicht ganz unspannende Randkluft erleichtert es nicht unbedingt, überhaupt mal die Wand zu erreichen – es gibt lediglich eine Stelle, wo man über den Schrund an die Wand kommt. Weiter oben erkennen wir ein, zwei Bohrhaken – das Topo leistet allerdings keine grosse Hilfe hier. Gut, die Touren sind alle zwischen dem 4. und 5. Grad angesiedelt, ist mir eigentlich egal, welche wir schlussendlich erwischen. Steigen wir halt einfach mal in diese ein, woanders kommen wir eh nicht ohne grösseres Spektakel über die Randkluft. Mit den Steigeisen krebse ich über unschönen Fels hinauf, sichern kann man hier nicht. Also keinen Mist machen, es ist nicht schwer, nur ekelig. Oben hat es einen kleinen Absatz, aber so etwas à la Standplatz oder die Möglichkeit, zumindest mal einen Keil oder Friend unterzubringen, gibt es auch hier nicht. Schon etwas genervt steige ich noch einige Meter weiter in die Wand ein und gehe noch zum ersten Klebehaken. Es ist zwar nur einer, aber als Verbundhaken ist der als einzelner Fixpunkt in Ordnung. Ich mache hier erst einmal Stand und sichere Marina nach, die sich etwas plagt mit den Steigeisen an den Füssen. Nordwestwand heisst in diesem Fall auch keine Sonne, was wiederum kalte Hände bedeutet.

Marina nimmt mich in die Sicherung und ich gehe die weitere Seillänge an. Einen Fixpunkt gibt es noch, dann kommt nasser Fels und abgeschlagener Haken Nummer eins. Ein paar Meter erkenne ich abgeschlagenen Haken Nummer zwei! Ich kann eines partout nicht leiden: wenn es ein Topo gibt und es heisst da, die Route sei gut mit Bohrhaken gesichert und dann kommt man da hin und es hat nur Schrott oder irgendein Hirni flext die Haken wieder ab. Ein paar Meter weiter kommt ein längerer Quergang. Im Bewusstsein dessen, dass Marina Quergänge ohnehin nicht mag und hier auch der Nachsteiger ohne Haken einen ziemlichen Flug hinlegen würde klettere ich wieder ab und wir beschliessen, diesen Ausflug hier zu beenden. Wir seilen ab auf den Gletscher und latschen zurück zur Seilbahnstation. Nach wie vor ist etwas unklar, aus welcher Perspektive das Foto im Topo aufgenommen wurde, die ursprünglich von uns geplante Route hätten wir aber aufgrund der Randkluft und vor allem aufgrund nasser Felsen ohnehin nicht machen können. Naja.

Die Runterfahrt in der Seilbahn ist etwas nervig, besoffene Touristen halten die ganze Gondel auf Trab… In Bad Mitterndorf wieder angekommen mampfen wir noch einen leckeren Kuchen, um wenigstens da noch etwas Erfolg zu haben.

Möchtest du diese Story teilen?
Vorheriger Beitrag
Schöllenen Fieberwahn
Nächster Beitrag
Saarbrückner Hütte

Ähnliche Stories

Menü