Ibergeregg

Velo

Wenn ich auf dem Rennrad etwas hasse, dann ist es Gegenwind. Und genau der begleitet mich auf meiner rund 55 Kilometer langen Runde über die Ibergeregg von Schwyz aus mit penetranter Beharrlichkeit…

Nach einem Berglauf auf den Grossen Mythen am Vortag sind die Beine zwar noch ein bisschen schwer. Trotzdem will ich es mir nicht nehmen lassen, in der Mittagspause eine Runde mit dem Rennvelo über die Ibergeregg zu drehen. Es ist warm, die Sonne scheint und ich rausche nach Unteriberg hinunter, um von dort aus die Strecke in Richtung Einsiedeln in Angriff zu nehmen.

Mein alter Freund, der Gegenwind

Ab dem Ortsausgang von Unteriberg in Richtung Euthal zeigt sich dann bereits, wie die Sache heute verlaufen wird: nämlich mit einem schönen Gegenwind. Oh weh… Im Grossen und Ganzen fühlen sich meine Beine zwar ganz gut an, aber mit der Prognose bin ich lieber mal noch ein bisschen vorsichtig. Denn oftmals sind es dann genau die Tage, an denen später der Mann mit dem Hammer kommt.

Durch Euthal hindurch geht es dann am östlichen Ufer des Sihlsees entlang bis nach Willerzell, wo ich über das lange und schmale Viadukt in Richtung Birchli und Einsiedeln fahre. Eigentlich lässt sich das Viadukt immer sehr schön fahren, heute ist es allerdings durch den konstanten Gegenwind relativ zäh und es ist einfach stumpfes vor-sich-hin-fahren angesagt. Über einen kurzen, windstillen Abschnitt bergauf nach Birchli freue ich mich da schon fast.

Von hier aus durchquere ich nun Einsiedeln und biege dann in Richtung Bennau ab. Jetzt geht es einige hundert Meter steil hinauf nach Schnabelsberg und irgendwie scheine ich gestern doch ein paar Körnchen mehr gebraucht zu haben, denn es läuft eher mühsam. Am Restaurant bei Schnabelsberg ist die Steigung dann aber auch schon wieder zu Ende und ich rolle die holprige Strasse nach Bennau hinunter. In Bennau geht es an unserer alten Wohnung vorbei und dann nach links, in Richtung der Kantonsstrasse nach Rothenthurm.

Noch besser: Gegenwind und Steigung

Die sieht zwar immer relativ flach aus. Das erste Stück hat es aber noch mal ziemlich fies in sich, denn es geht doch recht hinauf in Richtung eines Bahnübergangs. Normalerweise kann ich den aber schon ganz gut auf dem grossen Kettenblatt vorne fahren. Aber daran ist heute nicht zu denken. Scheiss-Wind! Mehr kreuchend als fleuchend fahre ich das blöde Stück hinauf und fluche vor mich hin, bis es dann wieder flacher wird. Davon wird der Wind allerdings auch nicht weniger und so geht es reichlich zäh weiter, bis ich in Rothenthurm ankomme.

Von hier aus geht es dann ab dem Ortsausgang erstmal sehr lange fast nur noch bergab. Immerhin sind über 400 Höhenmeter bis nach Schwyz zurückzulegen. Durch Sattel hindurch, ein Stückchen flach und dann wieder lange bergab rausche ich dem Talboden entgegen. Kurz vor Schwyz mache ich einen kurzen Stopp, um etwas zu essen. Direkt neben mir hält kurz darauf einer dieser getunten Subarus und ein Polizei-Auto – der scheint sich wohl irgendwie daneben benommen zu haben.

Nach dem reichhaltigen Mahl steige ich wieder auf und mache mich auf den Weg durch Schwyz hindurch. In der Ortsmitte geht es kurz über Kopfsteinpflaster (hmm, angenehm auf dem Rennvelo…) ein paar Meter steil links hinauf, bis es kurz nochmals etwas flacher wird. Danach beginnt  sofort die Steigung in Richtung Ibergeregg.

Steil von Anfang an

Bereits durch Rickenbach, einem Ortsteil von Schwyz, steigt die Strasse kontinuierlich an. Es geht an der Talstation der neuen Rotenfluebahn vorbei und hinauf zu den letzten Häusern, bevor die Strasse in den Wald verschwindet. Nun folgen zwei langgezogene Kehren, wovon die erste Zwischengerade angenehm zu fahren ist und die zweite steil und ekelig ist. Es läuft auch heute mal gar nicht… Der besagte Mann mit dem Hammer ist also wieder mal mit dabei.

Jammern hilft da aber auch nichts. Also Trikot komplett aufgemacht und weiter geht es. Am Gasthaus Windegg zieht sich die Strasse lange geradeaus bergauf und liegt dazu auch noch voll in der Sonne. Eigentlich schön, aber wenn es dann zu heiss wird (wie jetzt), dann kann das schnell ziemlich unangenehm werden. Es folgen ein paar Kurven und ein kurzes sehr steiles Stück, bis es dann für einige Meter wieder etwas flacher wird. Links kommt ein schön gelegener Hof in Sicht, dann taucht die Strasse noch einmal in den Wald ein und zieht wieder hinauf.

Kehre für Kehre geht es hinauf

Ich erreiche eine Kehre über eine Bachbrücke, dann kommt untere die Station des Skilifts Handgruobi in Sicht. Ab hier geht es mehr oder weniger immer in der Sonne weiter den Berg hoch. Rechts zweigt ein Stückchen später die Strasse nach Illgau ab. Ich bleibe aber auf der “Hauptstrasse” und kämpfe mich weiter hinauf in Richtung einiger Kehren, die eng übereinander gelegt als “Höhenmeterfresser” dienen. Ab hier wird es dann nochmal richtig steil und ich muss ziemlich leiden. Die Beine sind einfach schwer und es ist schlicht und ergreifend kein Druck mehr da. Einige Kühe mustern mich kritisch und fragen sich, was der Bengel denn da eigentlich für Zeug macht. Kann ich denen aber auch nicht beantworten, da müssen sie sich schon selber mal auf ein Rennvelo setzen…

Irgendwann mache ich mich an die letzten steilen Kurven, dann folgt endlich ein etwas flacheres längeres Stück, was die letzte Etappe zur Passhöhe hinter sich bringt. Ganz am Ende, kurz vor der Passhöhe, folgt dann nochmal ein kurzes und wirklich sacksteiles Stück (welches aber mittlerweile durch Baumassnahmen entschärft ist), das aber nur 10-20 Meter lang ist und daher noch mit einem Kraftakt fahrbar ist. Dann bin ich oben und es geht auf der anderen Seite direkt hinunter in die Abfahrt nach Oberiberg.

Heute lasse ich es aber ruhig angehen und beeile mich nicht allzu sehr. In Oberiberg folgt dann noch die kurze Gegensteigung, dann bin ich auf der Zielgeraden und lasse es gemütlich bis nach Hause ausrollen.


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