Raten und Sattelegg

Velo

Am Vormittag kommen heute Patrick aus Zürich und Charlie aus Schaffhausen zu uns. Im Gepäck haben beide ihr Rennvelo, denn wir wollen hier gemeinsam eine schöne Runde fahren. Charlie ist ziemlich gut ausgerüstet, hat ein ähnliches Rennvelo wie ich und auch sonst ist alles dabei, was man so braucht. Bei Patrick sieht das schon etwas anders aus. Der “Sparfuchs” hat ein Uralt-Rennvelo mit Rahmenschaltung und Staub auf den Felgen, das wahrscheinlich schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Die Übersetzung dieses Antik-Drahtesels ist auch nicht gerade bergfreundlich – es scheint also für Patrick ein anstrengender Tag zu werden.

Erst einmal düsen wir nach Unteriberg, dann gegenüber von Euthal am See entlang, über das Steinbachviadukt, Willerzell, nächstes Viadukt, Einsiedeln. Bis hierher geht’s super und wir kommen gut voran. Als nächstes wartet auf der anderen Seite von Einsiedeln der Anstieg nach Schnabelsberg auf uns. Falko zieht voraus erst mal ab, Patrick stemmt im schwerfälligsten Wiegetritt, denn ich jemals gesehen habe, sein Gewicht nach oben, ich strample hinterher und kurz dahinter ist Charlie zu finden. Kurz bevor wir das Gasthaus Berghof erreichen, falle ich vor Lachen dann fast vom Rad. Patrick hat an seinem speziellen Gefährt sogar eine Klingel – die wahrscheinlich noch älter ist als das Ding selbst. Diese verabschiedet sich plötzlich und fällt scheppernd auf die Strasse, was ihn dazu zwingt, in der Steigung anzuhalten, seine Klingel aufzusammeln, wieder an den Lenker zu pfriemeln und mit schweren Tritten mühsam weiter zu fahren. Ein ganz spezielles Bild.

Dann rauschen wir erst mal die kurze Abfahrt nach Bennau hinunter und weiter nach Schwyzerbrugg. Von dort biegen wir zum Raten ab. Eigentlich fahren wir die gleiche Runde wie neulich zu zweit. Also nicht direkt zum Raten, sondern links abbiegend Richtung Rothenthurm. Über die kleinen, wenig befahrenen Strassen kommen wir über Rossboden und Tändli zum Böschi, wo wir wieder einmal mit wunderbarem Ausblick über den Ägerisee eine kleine Pause einlegen. Die beiden schlagen sich bisher ganz gut und Patrick hat zum Glück auch noch Lust weiter zu fahren. Am Zigerhüttli biegen wir wieder nach rechts ab, um die kleine Nebenstrasse zum Raten in Angriff zu nehmen. Die letzten zwei Kehren haben es nochmal in sich, aber dann sind auch sie geschafft.

Am Raten halten wir uns nicht lange auf, sondern fahren gleich weiter. Bei Schwyzerbrugg gehts dann auf die Kantonsstrasse nach Einsiedeln. Diese verlassen wir allerdings kurze Zeit später schon wieder, um über Nübergsagen mit weniger Verkehr Richtung Sihlsee fahren zu können. Beim Galgenchappeli (ob hier früher Urteile vollstreckt wurden?) füllen wir unsere Wasservorräte auf und da ich mein Velo an einen Weidebegrenzungspfosten anlehne, bekomme ich noch einen schönen Stromschlag vom Weidezaun kostenlos dazu – AUA!

Und schon geht’s weiter. Über Blüemenen fahren wir an der Badi vorbei und über die kleine Staumauer des Sihlsee. Nachdem wir den vorderen Teil des Sees mit mehreren kleinen Kurven abgefahren haben, kommen wir nach Willerzell. Wir haben uns dazu entschieden, heute noch die Auffahrt zur Sattelegg anzuhängen und so biegen wir hier in Richtung der Passhöhe ab. Falko verabschiedet sich von uns mit den Worten “Ich geh noch ein bisschen spielen” und zieht uns davon. Spielen ist in diesem Zusammenhang das Katz und Maus Spiel, um andere Velofahrer zu überholen. Wir drei strampeln tapfer weiter. Patrick quält sich sichtlich mit seiner riesigen Übersetzung, aber auch er gibt nicht auf.

Kurz vor der Passhöhe kommt uns Falko wieder entgegen, um uns das letzte Stück zu begleiten. Da Patrick mittlerweile einigen Abstand zu mir herausgefahren hat und Falko mich noch ein bisserl motivieren will, machen wir ab, dass er Patrick ein wenig ablenkt und ich mich von hinten heran arbeite, um ihn vor der Passhöhe noch einzuholen. Gesagt, getan. Mit schmerzenden Oberschenkeln schaffe ich es tatsächlich, noch an ihm vorbei und auf die Passhöhe zu ziehen. Dann tun mir die Beine aber richtig weh und ich bin froh, als ich endlich anhalten kann.

Kurz darauf kommt auch Charlie an, wir machen noch kurz Pause und düsen dann wieder hinunter zum Sihlsee. Dort geht es erst mal wieder gemütlich flach zum Steinbachviadukt, durch Euthal und dann Richtung Studen. Der kleine Umweg lohnt sich, da man mit dieser Route die blöde und viel befahrene Strasse zwischen Euthal und Unteriberg umgehen kann. Von Studen nach Unteriberg fahren wir auf einer kleinen, kaum befahrenen Strasse, die uns an vereinzelten Bauernhöfen vorbei führt. Ab Unteriberg müssen wir dann aber alle nochmal ran, denn der letzte Aufstieg bis nach Oberiberg liegt ja noch vor uns. Patrick ist vor mir und ich kann anfangs noch an ihm dran bleiben. Irgendwann verlassen mich aber meine Kräfte und ich werde immer langsamer – der Abstand immer grösser – und ich hoffe, dass jetzt nicht wieder Falko kommt und mich anstichelt Patrick einzuholen. Meine Beine tun wirklich weh. Aber kaum denkt man auch nur dran, taucht Falko auch schon neben mir auf. Bisher hat er sich um Charlies Motivation gekümmert, die wohl auch nicht mehr ganz taufrisch ist, jetzt allerdings kommt er zu mir und sagt mir, er würde Patrick wieder in ein Gespräch verwickeln, damit ich ihn einholen kann. Also muss ich doch nochmal ran.

Mit Müh und Not kann ich ihn einholen – das war allerdings meine allersetzte Kraftreserve und ich kann das Tempo nicht wirklich lange hoch halten. Patrick hat natürlich auch seinen Stolz und zieht kurz vor unserer Hofeinfahrt nochmal an mir vorbei. Naja, ist ja nur “ein Spiel”. Dann kommt auch schon Charlie in den Hof gefahren und wir sind alle erst mal heilfroh absteigen zu können (ausser Falko, der könnte natürlich noch weiter fahren …).

Nachdem wir alle erfrischt und geduscht sind, machen wir uns gemeinsam auf den Weg nach Einsiedeln, wo wir auf der Terrasse am Klosterplatz noch eine gesellige Runde einlegen. Bei Käseplatte, Eisbechern und Frappé freuen wir uns über die schöne Tour und den gelungenen Tag. Bei netten und lustigen Gesprächen lassen wir den Tag mit einem gemütlichen Spaziergang um’s Kloster zurück zum Auto ausklingen.

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