Schaf-Eldorado am Fluebrig

Wir wollen mal wieder unsere Wahlheimat erkunden und heute den Fluebrig besteigen. Im Gegensatz zu unserer früheren Tour wollen wir aber nicht aus dem Wägital, sondern (fast) direkt vor der Haustür starten. Das Auto brauchen wir trotzdem. In guten fünf Minuten haben wir aber unseren Ausgangspunkt in Studen erreicht. Der winzige Ort zwischen Unteriberg und Euthal liegt etwas zurückversetzt von der Strasse und fällt kaum auf. Kaum zu glauben, dass es hier noch einen 18-Loch-Golfplatz im Talschluss hat.

Hier am Ochsenboden direkt am Golfplatz stellen wir unser Auto ab und laufen los. Zuerst führt uns unser Weg etwas langweilig auf einer Forststrasse bergan. Die ersten 350 Höhenmeter queren wir so die Stafelwand, bis wir den Punkt 1300 erreichen. Hier endet die Forststrasse und geht in einen Wanderweg über. Nach kurzer Verwirrung und einem „Verlaufer“ auf dem falschen Weg finden wir unsere Fährte wieder und bewegen uns in Richtung zu unserem Ziel. Ab hier geht der Weg steil bergauf und wir überwinden so den ein oder anderen Höhenmeter. Der Weg führt idyllisch in den Talkessel unterhalb des Turners, einem Nebengipfel des Diethelms.

„Määäääh“ „Mööööääääh“ – das ist die Geräuschkulisse, die uns während der nächsten Zeit begleitet. Hier oben werden gerade extrem viele Schafe gesömmert und da das Gelände weitläufig ist und alle schön verteilt sind, müssen sie sich natürlich über die Distanzen miteinander verständigen. Über Schafmist steigend und mit lautem Geblöke im Ohr überwinden wir also Meter um Meter nach oben. An der Alp Obergross auf 1837 m ü. M. wird es dann etwas ruhiger, die meisten Schafe sind weiter unten oder nicht mehr direkt in Wegnähe und wir „entspannen“ unsere Ohren wieder ein bisschen.

Auf 1950 m erreichen wir den Sattel, der uns in Richtung unseres letzten Aufschwungs führt. Kurz vor dem Gipfel heisst es hier nämlich noch einmal Hand anlegen und zupacken. Zwei kurze Felsaufschwünge geht es hinauf, die über eine Leiter zu erreichen und mit Ketten gesichert sind. Diese sind nach ein bisschen Überwindung aber auch bald überwunden und wir erreichen den langgezogenen Gipfelgrat.

Hier oben kann man wunderbar sitzen, die Aussicht geniessen und entspannen. Ganz ruhig ist es hier, die paar Leute hier oben stören nicht gross und wir sind froh, in so einer schönen Umgebung zu sein. Vom Gipfelgrat aus fällt nach Westen eine steile Grasflanke ab, auf der sich gerade zwei Gleitschirmflieger befinden. Sie sind schon startbereit, warten noch auf den passenden Windstoss und dann fliegen sie kurz nacheinander los. Der eine zieht ziemlich schnell davon und ist uns aus den Augen. Der (oder die) andere jedoch zieht ihre Kreise um den Gipfel, winkt uns Wanderern zu und wir geniessen das friedliche Schauspiel. Wirklich schön anzusehen – so ruhig und eindrucksvoll ist das Gleiten durch die Luft.

Vom Sitzen, Essen und Schauen wird uns aber langsam kalt. Wir packen also zusammen und machen uns an den Abstieg. Der Aufschwung zum Gipfel muss jetzt wieder abgeklettert werden – das dauert ein bisschen, ist nicht gerade angenehm, aber machbar. Um nicht wieder durch die Schafherde zu müssen, entscheiden wir uns, noch um das gesamte Fluebrigmassiv zu laufen und auf der anderen Seite nach Studen abzusteigen. Erst steinig und kurz darauf grasig führt uns der Wanderweg zur Alp Fluebrig auf 1588 m. Auch hier sind auch ein paar Schafe unterwegs, diese sind aber wesentlich ruhiger.

Nach einem weiteren kurzen Abstieg queren wir über Schlänggen, kommen an einer alten Scheune mit einem noch älteren Traktor vorbei und erreichen so den Fläschlipass. Mittlerweile sind wir schon wieder bis auf 1368 m abgestiegen und die Hitze macht sich bemerkbar, es ist wirklich heiss hier unten. Weiter geht’s für uns über Wisstannenplangg, einem sumpfigen Gebiet, in welchem der Wanderweg teilweise mit Holzbrettern und -geländern ausgestattet wurde, damit man im Matsch nicht versinkt. Richtig schön ist das hier gemacht.

Bald darauf überqueren wir den Wisstannenbach und der Weg führt uns die letzten Höhenmeter ins Tal hinunter. Kurz vor dem Chalchboden müssen wir noch ein Stück auf einem kerzengeraden Fahrweg bis zur Strasse laufen, hier brennt die Sonne richtig runter und wir kommen nochmal richtig ins Schwitzen. Die letzten Meter legen wir auf der Strasse zum Golfparkplatz zurück, wo unser kleines Auto auf uns wartet.

Eine tolle Wanderung direkt vor der Haustür – was wollen wir mehr.

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