Chicago

Reise

Der Plan

Als sich vor ein paar Wochen entschieden hat, dass ich für meinen Arbeitgeber zusammen mit einem Kollegen, einem unserer Genetiker, in die USA fliegen dürfte, um das Labor zu besuchen, die für uns die genetischen Test (mit den Kuhhaaren) machen, wusste ich noch gar nicht so recht, was mich erwarten würde.

Da es von Europa keine Direktflüge nach Lincoln, Nebraska (in the middle of nowhere) gibt, war die logische Schlussfolgerung über Chicago anzureisen. Franz war allerdings schon länger unterwegs bei einer Tagung in Florida und so haben wir beschlossen uns am 14.07. am Flughafen in Chicago zu treffen (einfacher gesagt als getan) und gemeinsam weiter nach Lincoln zu fliegen. Mein Plan sah dann so aus, dass ich bereits am 11. Juli nach Chicago fliegen wollte, um mir dort die Stadt noch anzusehen und einmal die USA zu erleben. Gesagt, getan.

Samstag, 11. Juli 2015: Flug & Hotel

Am Samstag bringt mich Falko also noch zum Bahnhof in Biberbrugg, wo meine Reise beginnt. Mit dem Zug geht’s nach Zürich zum Flughafen, wo mein Flug gegen 13 Uhr startet. Ich bin früh dran und so kann mich die unglaublich lange Schlange vor der Gepäckabgabe nicht schocken. Heute ist nämlich der erste Tag der Sommerferien in Zürich und anscheinend ist es so schlimm in Zürich, dass alle nur ganz schnell weg wollen und das am Besten per Flugzeug. Unglaublich, wie viele Leute hier stehen. Angesichts der Wartezeit bin ich froh, dass ich wenigstens schon zu Hause am Vorabend online einchecken konnte und mich jetzt vorher nicht auch noch dort anstellen muss.

Nach ca. 40 Minuten bin ich dann mein (im Gegensatz zu fast allen anderen) kleines Gepäckstück losgeworden und trage nur noch das Handgepäck mit mir herum. Eine Stunde vertreibe ich mir hier mit “Leute gucken” das geht an so einem vollen Flughafen natürlich besonders gut. Langsam mache ich mich dann mal auf dem Weg zum Gate, zur Sicherheitskontrolle, zum Boarding. Die Kontrollen sind wirklich krass, aber in Amerika wird noch einiges anderes auf mich warten. Laptop und Flüssigkeiten (max. 100ml pro Fläschchen) müssen aus der Tasche und werden separat gescannt. Nichts in den Hosentaschen etc… Bei mir leuchtets aber grün, als ich durch den Detektor geh und so kann ich wieder meine Sachen zusammen klauben und weiter geht’s.

Jetzt bin ich in der Duty Free Zone. Ich laufe ein bisschen von Shop zu Shop und schaue mir das Zeug an. Wein, Schnaps, Zigaretten und natürlich Schweizer Souvenirs: Schoggi und Swatch Uhren, Victorinox Taschenmesser und Plüsch-Bernhardiner… Lange halte ich mich hier nicht auf, schon gehts weiter. Ich schaue ein bisschen den Flugzeugen an den Gates zu und mache mich dann auf den Weg zu meinem eigenen. Ich starte anscheinend nicht direkt vom Hauptgebäude des Flughafens sondern muss noch mit der Flughafen eigenen “U-Bahn” 3 Minuten fahren um zum richtigen Terminal zu kommen. In der U-Bahn gibts dann aus den Lautsprechern 3 Minuten lang Alphorngebläse, Kuh-Muh und Glockengebimmel – fast meine ich, ich wäre wieder in Oberiberg wie kitschig ist das denn?

Am Terminal angekommen ist schon Boarding-Time und nach einer weiteren Boarding-Pass und Ausweiskontrolle kann ich dann an Board gehen. Ich habe den allerletzten Platz ganz hinten am Fenster – muss mich folglich also an allen vorbei quetschen und recht lange warten, bis ich meinen Sitz endlich erreiche. Dann ist es geschafft. Ein paar Sachen – Buch, Handy, Reiseführer – nehme ich mit an den Platz, der Rest wird in den oberen Ablagefächern verstaut – Hauptsache viel Platz für die Beine lassen. So, erst mal sitzen. Es dauert gefühlt natürlich noch ewig bis dann mal alle sitzen und wir zur Startbahn rollen. Jetzt ist mir doch ein wenig mulmig im Bauch. Aber am Fenster kann ich ja alles genau beobachten und so wir mir beim Start zum Glück nicht schlecht, als das Flugzeug endlich startet und ich in den Sitz gedrückt werde

Jetzt heisst es abwarten und Zeit vertreiben. Fast 10 Stunden Flug liegen vor mir. Meine Sitznachbarin ist aber ganz nett, ungefähr im meinem Altern und vor allem: nicht dick! Sonst kann das ja ganz blöd sein in so einem engen Flugzeug. Wir unterhalten uns zwischendurch ganz gut und so ist es nicht ganz so langweilig. Die restliche Zeit verbringe ich mit lesen, 2 Kinofilme schaue ich mir noch an und essen. Schlafen soll man auf den Weg in die USA wegen der Zeitverschiebung nicht. Das fällt aber auch schwer, da es einfach nicht dunkel wird, weil man ja “mit der Sonne” fliegt. Der Wind steht aber anscheinend gut und so kommen wir nach ca. 9 Stunden 30 Minuten in Chicago an. Aber hier kann man ja nicht so einfach einreisen. Bevor es das Gepäck gibt wird man von gefühlt 300 Sicherheitsbeamten zum richtigen Schalter buxiert. Dort wartet man dann brav in der Reihe, bis man dran ist. Und dann geht’s los: Ausweis, Rückreiseticket und Einreisegrund… Was die alles wissen wollen. Da erkläre mal völlig übermüdet, gerade gelandet und total geflasht von so vielen Leuten, dass du ein bisschen Urlaub machst und dann ein Labor besuchst, wo du 2 mal im Monat Kuhhaare hinschickst für Zuchtwertschätzungen… Ja, also so gut ist mein Englisch wirklich nicht und somit dauert dieser Dialog wohl länger als von beiden Seiten erwünscht. Letzten Endes darf ich doch einreisen – puuuh, Glück gehabt Und der sehr scharf aussehende Schäferhund, der die Gepäckstücke abschnüffelt findet an meinem grünen Rucksack auch nichts interessantes, sodass ich dann endlich den Flughafen verlassen darf. Die nächsten 20 Minuten verbringe ich dann damit den Weg zum Zug zu suchen. Das ist hier gar nicht so einfach, denn der O’Hare Flughafen ist gefühlt 5x so gross wie der in Zürich und wahrscheinlich ist er es auch.

Nach Irrwegen finde ich dann doch noch den Bahnsteig, den richtigen Zug und kann endlich Richtung Stadt fahren. Mittlerweile bin ich richtig fertig. Hier ist es jetzt ca. 17.30 Uhr, aber als ich in Zürich losgeflogen bin war es 13 Uhr, zu Hause ist es also schon nach Mitternacht und ich bin immer noch nicht angekommen. Der Zug bringt mich in ca. 40 Minuten in die Innenstadt und nach ein paar Minuten finde ich auch das Whitehall Hotel, bekomme mein Zimmer (im 17. Stock) und bin erst mal zufrieden. Ich gebe Falko Bescheid, dass ich angekommen bin und ruh mich erst mal aus. Heute will ich nicht mehr viel erleben. Ich geh in der kleinen Pizzeria direkt im Hotel noch essen (eine hundsmiserable Pizza Margherita) und falle anschliessend totmüde ins Bett. Das Zimmer ist aber ganz ok – seinen immensen Preis nicht wert – aber sauber und die Betten sind schön weich.

Sonntag, 12. Juli 2015: River & Towers

Am morgen wache ich schon recht früh auf, so gegen 5 Uhr in der Früh bin ich putzmunter. Aber schliesslich wäre es zu Hause schon 12 Uhr mittags – also rufe ich gleich mal Falko über Skype an und wir plaudern ein bisschen, bis bei mir dann auch endlich die Sonne aufgeht. Nach einer erfrischenden Dusche und einem Blick auf den Stadtplan will ich erst mal etwas frühstücken. Da dies bei meiner Übernachtung nicht inbegriffen ist machen ich mich direkt auf den Weg. An der nächsten Strassenkreuzug ist das Kaufhaus Bloomingdales, dort gibt es im 6. oder 7. Stock das Oak Tree, ein herrliches Café, in dem es guten Kaffee und sogar Gipfeli mit Konfi gibt. Ein perfekter Start in den Tag. Zudem ist die Bedienung sehr nett und gibt mir Tipps, was ich so unternehmen sollte

Danach geht’s also los in die Stadt. Heute ist grosser Sightseeing Tag. Zuerst mache ich einen kurzen Stop bei einem der Whole Foods Markets – das ist eine Supermarktkette, die nur biologische Lebensmittel und teilweise auch Kleidung verkauft. Ein interessanter kurzer Abstecher. Kaufen tu ich nicht wirklich viel, schliesslich muss ich hier ja nicht kochen. Aber schön ist es trotzdem die ganzen fremden Sachen anzuschauen

Dann geht’s weiter Richtung Chicago River, also dem Zentrum. Mein Weg führt mich auf der Magnificent Mile entlang. Das ist eine elendslange Einkaufsstrasse die nur so mit Flagstores aller bekannter Marken der ganzen Welt zugepflastert ist. Heute ist aber Sonntag, da haben einige Läden geschlossen und der Rest macht erst so gegen 10 Uhr auf, es ist also noch relativ ruhig. Mein erster Foto-Stop ist dann direkt am Chicago River. Hier fangen die grossen eindrucksvollen Wolkenkratzer an und es ist wirklich beeindruckend, wie weit diese Dinger in den Himmel ragen und wie klein man daneben ist Ich stehe direkt am Wrigley Building, welches ehemals von der bekannten Kaugummi-Firma erbaut wurde und bis vor kurzem deren Hauptsitz war. Nebendran steht der riesige, verspiegelte Trump Tower, gegenüber das Tribune Building und und und. Einfach wahnsinn. Weil mich das so fasziniert beschliesse ich mehr darüber zu erfahren und gehe an der nächsten Brücke die Stufen zum Chicago River hinunter. Dort schlängelt sich der Riverwalk am Fluss entlang, es gibt schattige Bänke und Anlegestellen für die Ausflugsboote. An einem der nächsten Schalter kaufe ich mir ein Ticket für eine 90 minütige Bootsfahrt, eine Architecture River Cruise. Auf dem Ausflusgsschiff sitzt man oben an Deck, fährt den Chicagoriver hoch und runter und vorne steht ein Reiseführer und erklärt einem die verschiedenen Gebäude, an welchen man so vorbei tuckert. Eine coole und entspannte Art und Weise die spannende Architektur von Chicago kennenzulernen. Ich möchte das jetzt hier nicht in einen Geschichts-Blog verwandeln. In Chicago ist es eben so, das in einem grossen Feuer um 1870 viele Gebäude in der Innenstadt zerstört wurden und danach viele Architekten in neuen und ganz unterschiedlichen Baustilen coole Wolkenkratzer gebaut haben. Darum ist das so ein bunter Mix an Hochhäusern. Ich geniesse also die Fahrt und lasse die Infos auf mich einwirken.

Kurz nach Mittag ist die Tour vorbei und ich schlendere weiter durch die Strassen. Es ist sehr warm, aber zum Glück weht in der Windy City meist ein Lüftchen in den Strassenschluchten, so dass es einigermassen erträglich ist. Auf meinem Streifzug finde ich ein nettes Café – die Corner Bakery – und genehmige mir einen halbwegs guten Milchkaffee und ein Stück leckeren Zitronenkuchen. Gemütlich ist das aber nur in amerikanischer Hinsicht – für uns wäre es ein zu gross geratener Self-Service/Take-Away Coffee Shop. Aber was besseres finde ich hier nicht Das ist eben Amerika.

Meine Tour durch die Innenstadt hat mich mittlerweile in den Loop geführt. “Loop” bedeutet auf Deutsch “Schleife” und kommt daher, dass die Strassebahn in Chicago über der Strasse auf Stelzen verläuft und das Zentrum wie eine Schleife umschliesst. Man könnte quasi mit dieser Hochbahn einmal im Kreis um das ganze Zentrum fahren. An einem Ende des Loops komme ich zum Willis Tower. Das ist mit 430 m und 110 Stockwerden das höchste Gebäude in Chicago. Bis 1996 war er sogar das höchste Gebäude der Welt. Im 103. Stock gibt es eine Aussichtsplattform, von der aus man anscheinend einen wahnsinns schönen Blick über die Stadt hat. Diesen wollen allerdings sehr viele Leute geniessen und so beschliesse ich mich jetzt nicht in der Nachmittagshitze 2 Stunden für eine Aussichtsplattform anzustellen und gehe weiter. Ich durchquere den Loop und komme zum Grant Park, einer wirklich grossen Parkanlage am Rand des Lake Michigan. Hier findet gerade das kostenlose “Taste of Chicago” Festival statt, wo es gaaaanz viel verschiedenes Essen gibt – kein Wunder sind die hier alle so dick Ich schlendere an ein paar Ständen vorbei und geniesse dann aber lieber den Blick auf die Buckingham Fountian, eine eindrücklichen Springbrunnen.

Weiter geht’s einmal über den Lake Shore Drive hinüber zum Seeufer. Bisher habe ich mich meist Richtung Süden bewegt, jetzt laufe ich am See entlang wieder Richtung Norden. Aber nicht sehr lange, da biege ich wieder Richtung Stadt ab und komme hier in den Millenium Park. Im Schatten mache ich ein bisschen Pause und schaue ein paar jungen Leuten bei einer spontanen Tanzaufführung zu, bevor ich über eine futuristisch mit Silberblech verkleidete Brücke wieder den Lake Shore Drive überquere und dann zur Cloud Gate komme. Hier mache ich sogar mal ein paar Selfies, denn dieses riesige Ding, was aussieht wie eine zu gross geratene verspiegelte Bohne ist wirklich lustig. Man sieht sich und die gesamte Skyline als verzerrtes Spiegelbild – und natürlich stehen hunderte von Leuten um einen herum und machen lustige Fotos was für ein Spass. Im Anschluss entdecke ich noch die Crown Fountain – zwei sich gegenüberstehende ca. 15m hohe Türme die an der Vorderseite komplett mit einem Bildschirm überzogen sind, auf dem ein Gesicht zu sehen ist. Das Gesicht bewegt sich, lacht, blinzelt, guckt überrascht und alle 10-15 Minuten formt das Gesicht die Lippen zu einem ‘O’ und genau an dieser Stelle kommt ein Wasserstrahl heraus, der für ca. 60 Sekunden die ganzen Kinder, die sich darunter in Badeklamotten tümmeln, vollspritzt. Wirklich herrlich dem Treiben zuzusehen. Anschliessend kommt eine Wasserfontaine oben aus diesen Türmen heraus und die Kinder haben wieder ihren Spass. Nachdem ich mir das zweimal angeschaut habe will ich aber weiter.

Es ist jetzt schon ca. 17.30 Uhr und ich bin ziemlich erledigt. Den ganzen Tag auf den Beinen, weit laufen und viel erleben… Aber direkt ins Hotel will ich natürlich auch nicht. Also beschliesse ich noch zum Navy Pier zu laufen. Der “Vergnügungsmeile”, die quasi in den See hineinragt. Dort ist ein richtiger Rummel mit Karussell, Riesenrad und Strassenmusik und das alles mit Blick auf See und Skyline. Bei entspannter Musik einer Salsa-Band hole ich mir frittiertes Hühnchen mit Pommes, setze mich an den See und geniesse die Aussicht und die Abendstimmung. Herrlich entspannt ist es hier. Langsam verzieht sich die Sonne hinter die Wolkenkratzern und ich mache mich nach diesem Fast-Food Abendessen (was aber trotzdem ganz lecker war) auf den Weg Richtung Norden.

Neben dem Lake Shore Drive, einer grossen Hauptverkehrsachse am Lake Michigan entlang, laufe ich direkt am See in Richtung Hotel. Die Abendstimmung hier ist wirklich toll und nachdem die hohen Türme lange Schatten werfen ist es auch von den Temperaturen her zu ertragen, der Wind lässt einen kurz frösteln schön gemütlich. Ich setze mich noch ein bisschen hier hin, geniesse die Aussicht und habe dann immer noch keine Lust auf Hotel. Also mache ich mich noch auf den Weg zum John Hancock Center, welches nur 100m von meinem Hotel entfernt steht. In diesem Hochhaus, welches 344m hoch ist, gibt es auf der Höhe von 314m ein Aussichtsstockwerk im 94. Stock. Von hier kann man wunderbar in den Norden Richtung Lincoln Park schauen, den Lake Shore Drive folgen, den Blick über den See schweifen lassen, vorbei am Navy Pier und über die Ansammlungen von grosse nun etwas kleineren Wolkenkratzern der ganzen Stadt und das flache Hinterland bewundern. Die Aussicht ist wirklich unglaublich. Aber um dort hoch zu kommen muss man erst mal den Aufzug nehmen, welches angeblich der schnellste der Welt ist. Innerhalb von 40 Sekunden kommt man von unten nach oben an seinem Ziel an – unglaublich. Das war den Eintritt von $ 19 wirklich wert Mir gefällt es hier oben so gut, dass ich beschliesse mich auf die gemütlichen Sitzbänke zu lümmeln und den Sonnenuntergang von hier oben in voller Länge zu geniessen. Es gibt kein Zeitlimit für den Aufenthalt hier oben und so mache ich es mir gemütlich und verbringe fast 2 Stunden in diesen luftigen Höhen. Die Welt um mich herum ändert sich mit jeder Minute und es ist spannend zu sehen, wie die Lichter auf den endlosen geraden Strassenzügen angehen.

Irgendwann werde ich aber richtig müde – so ganz hab ich das Jetlag immer noch nicht überwunden und zu Hause ist es jetzt mitten in der Nacht, vielleicht 3 oder 4 Uhr morgens. Also fahre ich mit dem rasenden Aufzug wieder nach unten, husche schnell über die Strasse und verschwinde in meinem Hotelzimmer und falle totmüde ins Bett. Endlich schlafen, was für ein Tag

Montag, 13. Juli 2015: Lake & Zoo

Um kurz nach 5 Uhr bin ich (leider) schon wieder munter, also folgt erst mal wieder eine Skype-Konferenz mit Falko. Danach geht’s genau wie gestern ins Oak Tree bei Bloomingdales zum Frühstück. Da war’s einfach so gut und gemütlich, genau richtig für mich, um in den Tag zu starten und meinen Tag zu planen. Die nette Bedingung ist auch wieder da und findet meinen Plan heute den Lincoln Park Zoo zu besuchen eine spitzen Idee. Nach dem guten Frühstück geht’s also los.

Um mehr von der Stadt zu sehen werde ich aber nicht den Bus nehmen, sondern am See entlang laufen. Eigentlich hat man hier das Gefühl am Meer zu sein, denn der Lake Michigan ist flächenmässig grösser als die gesamte Schweiz und hat eine gesamte Uferlänge von über 2’600 km. Das Ufer auf der anderen Seite sieht man also nie. Zuerst komme ich am Oak Beach vorbei, laufe die Gold Coast entlang und komme so zum lange Zipfel des North Ave Beach. Hier hat es einen richtigen Strand und nicht nur wie bisher befestigtes Ufer, wirklich wie am Meer um diese Uhrzeit ist hier noch nicht viel los und ich kann die Morgenstimmung bei meinem Spaziergang geniessen. Dann erreiche ich eine Brücke, die mich (mal wieder) über den Lake Shore Drive direkt in den Lincoln Park führt. Hier komme ich in den Sportbereich des Parks, es gibt viele Wiesen zum Rennen und Toben und auch ein paar Fussball- und Volleyballfelder stehen hier zur Verfügung. Ich laufe auf den gepflegten Wegen weiter Richtung Zoo.

Am South Pond schaue ich mir noch ein bisschen die Tiere und Pflanzen in den Gewässern an. Lange hält es mich auf den Holzstegen am Rand dieses Teiches allerdings nicht, denn die Sonne knallt jetzt schon richtig runter und hier weht mal so gar kein Lüftchen. Da ich mir gestern – aufgrund viel Sonne, der Bootsfahrt, Wind und vergessener Sonnencreme – einen mordsmässigen Sonnenbrand geholt hab, will ich hier nun nicht all zu lange stehen bleiben. Aber der Blick in Richtung City ist dann doch noch mal lohnend, denn nun erstreckt sich vor der wunderbaren Skyline von Chicago das Grün des Lincoln Parks – ein wirklich cooler Anblick.

Dann bin ich auch schon am Zoo. Der Lincoln Park Zoo ist ein kostenfreier Zoo, der sich lediglich über viele kleinere Spenden der Besucher und einige sehr grosse Spenden einiger Gönner finanziert. Der Eintritt ist also frei, aber der Zoo ist wirklich super, riesengross, gepflegt und vieles sehr modern. Hier halte ich mich bis am Nachmittag auf und sehe wirklich viele Tiere: Zebras und Antilopen, Schimpansen und sonstige Affen, lauter verschiedene Vögel, Giraffen und Nashörner, Seelöwen und Reptilien. Ein toller Zoo

Irgendwann bin ich aber wirklich geschafft und mache mich auf zum nächsten Punkt meines heutigen Tages. Direkt neben dem Zoo gibt es das Lincoln Park Conservatory. Ein riesiges Gewächshaus, also ein botanischer Garten, mit Orchideen, Farnen und Palmen. Der Aufenthalt hier drin ist zwar noch mal eine Steigerung des sowieso schon sehr heissen Wetters draussen, da die Luftfeuchtigkeit nochmals um einiges höher ist, aber die Pflanzen sind wirklich beeindruckend und ich vergesse völlig die Zeit, während ich von einer Ecke zur nächsten husche und ein Foto nach dem anderen schiesse. Sooo cool

Nach einiger Zeit bin ich aber total verschwitzt und will nur noch hier raus. Schliesslich habe ich ja noch weitere Pläne. Eigentlich wollte ich noch ins Peggy Notebaert Nature Museum, aber dafür bin ich schon zu spät. Bis ich dort hingelaufen bin hat das Museum nur noch eine Stunde geöffnet und dafür sind mir die $ 9 Eintritt dann doch zu viel. Ist ja auch nicht so schlimm. Eigentlich ist das Museum für Kinder, ich dachte eben es könnte ganz nett sein. So schlendere ich durch den öffentlichen Schmetterlingsgarten des Museums und auf dem Rückweg finde ich im Lincoln Park noch einen wunderschönen Weg am “Alfred Caldwell Lily Pool” entlang. Einem völlig im Grünen versteckten Teich, wo man herrlich im Schatten und in aller Ruhe entlang schlendern kann.

Da ich keine Lust habe den ganzen Weg in die Stadt zurück zu laufen beschliesse ich mit dem Bus zu fahren. Das ist in Amerika – oder zumindest hier in Chicago – ein Erlebnis für sich. Denn auf der Strecke von ca. 1.3 Meilen, die ich mit dem Bus zurücklegen muss gibt es ungefähr alle 300 – 400 m eine Bushaltestelle, gefühlt also vor jedem Haus. Das ist wirklich krass. Laufen ist hier einfach nicht so angesagt und so sehen die meisten der Leute, die hier rumlaufen auch aus. Es gibt eigentlich kein Mittelmass. Entweder sind die Leute fett, also wirklich fett – und ununterbrochen am futtern, oder sie sind spindeldürr und am joggen oder Velo fahren am See. Aber so was “normales” findet man hier eigentlich kaum.

Nach 1’000 Bushaltestellen komme ich dann doch noch dort an, wo ich hin will, in die Magnificent Mile. Von dort gehe ich die letzten Blocks zu Fuss zum Hotel. Ich mache mich ein bisschen frisch, ruhe mich aus und entschliesse dann am Fuss den John Hancock Centers in der Cheesecake Factory zu Abend zu essen, eigentlich mit der Absicht auch einen der berühmt berüchtigten Cheesecakes zu essen. Mein Biorhythmus ist aber so durcheinander, ich so müde und das Wetter (herannahendes Gewitter) so komisch, dass ich beschliesse mich nach einem sehr leckeren, aber viel zu grossen Ceasar Salad ins Hotel zurück zu ziehen. Schade, aber nach Essen ist mir grad einfach gar nicht.

Dienstag, 14. Juli 2015: Auf & Davon

So, heute ist mein letzter Tag in Chicago, am Abend werde ich dann schon in Lincoln, Nebraska sein. Aber erst mal gehe ich zum letzten Mal im Oak Tree gemütlich frühstücken. Anschliessend husche ich wieder ins Hotel, packe meine 7 Sachen und checke aus. Zum Glück kann ich mein Gepäck bis zu meiner Abreise hier deponieren und so kann ich mit leichtem Gepäck noch mal in die Stadt. Ich schaue mir noch mal ein paar schöne Sachen an, die mir in den letzten Tagen gefallen haben, geniesse die Stimmung am See und lasse die Zeit verstreichen. Mittlerweile macht mir die Zeitverschiebung mehr zu schaffen als an den ersten beiden Tagen und ich bin ziemlich müde und schlapp. Viel unternehme ich heute also nicht mehr. Aber schön ist es hier trotzdem

Am Nachmittag hole ich dann mein Gepäck aus dem Hotel, suche mir wieder den Weg zur Red Line, der U-Bahn Richtung Loop und von dort geht’s mit der Blue Line zum Flughafen. Ich weiss nicht wie oft ich auf dieser Fahrt die automatische Ansage gehört habe, die bei jeder Haltestelle aus dem Lautsprecher gedonnert kam, aber nach 40 Minuten konnte ich die sympathische Männerstimme “This is the Blue Line going to O’Hare” nicht mehr hören

Am O’Hare Flughafen treffe ich mich heute mit Franz, der hier zwischenlandet, weil er bei einer Tagung in Orlando, Florida von der Firma aus war und wir von hier gemeinsam weiter reisen wollen. In Lincoln werden wir dann das Labor von GeneSeek besichtigen, wo wir jeden Monat 2x unsere Kuh-Haarproben untersuchen lassen.

Am Flughafen bin ich dann erst mal total planlos. Erst finde ich nicht das richtige Terminal. Das ist hier nach Fluggesellschaften gegliedert und ich muss erst mit der Flughafeninternen Magentbahn an ein anderes Terminal fahren. Mittlerweile habe ich ein SMS von Franz, er hätte das Gate gefunden – ganz im Gegensatz zu mir. Ich stehe zwar genau an dem Gate, welches auf meinem Online-Ticket steht, allerdings hab ich dieses seit gestern Abend nicht mehr aktualisiert und stehe deshalb hier alleine am Gate. Kein Franz, kein Flug… Mist.

Nach ein bisschen hin und her und leisem fränkischen Gefluche find ich dann die Anzeige, die mir sagt, wo ich hin muss – natürlich ans andere Ende des Flughafens. Da ich schon beim Sicherheitscheck ziemlich lange anstehen musste bin ich jetzt spät dran, aber dann kommt die erlösende SMS von der Fluggesellschaft: Mein Flug hat 30 Minuten Verspätung – noch mal Glück gehabt

Nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich dann ans richtige Gate, treffe dort auch wie geplant Franz und wir können auch bald schon einsteigen. In 1.5 Stunden Flug geht es dann mit einer kleinen Maschine nach Lincoln – in the middle of nowhere.

Wir sind beide ziemlich müde und wollen nur noch ins Bett, also schnappen wir uns am Flughafen direkt ein Taxi und lassen uns zu unserem Hotel fahren. Nach 10 Minuten sind wir dort schon angekommen und können problemlos unser Zimmer in Empfang nehmen. Was wir jetzt machen liegt wohl auf der Hand: Frühstückszeit für morgen verabreden und jeder ab in sein Zimmer und dort noch schneller ins Bett

Mittwoch, 15. Juli 2015: Laboratory & Lifestyle

Wir wohnen hier im Country Inns & Suites Hotel, einem Hotel, wie man es sich in der Mitte der USA so vorstellt – ordentlich, aber nicht sehr aufregend. Beim Frühstück am nächsten Morgen bekommen wir aber direkt die amerikanischen Gepflogenheiten zu spüren. Beim Betreten des Speiseraums, wo das Frühstück bereit steht schlägt uns erst mal eine dicke Speckwolke entgegen – wie kann man sowas nur zum Frühstück essen??? Naja. Wir versorgen uns mit Toast, Marmelade, Müsli und Kaffee und beobachten das Gespachtel an den anderen Tischen. Worauf wir aber auch nicht verzichten sind Waffeln, die man selbst backen und mit Honig, Puderzucker und/oder Ahornsirup beträufeln kann Ein bisschen “American Lifestyle” wollen wir dann doch mitnehmen

Um 10 Uhr werden wir dann von einer Mitarbeiterin von GeneSeek im Hotel abgeholt und zum Labor gebracht. Dort werden wir von verschiedensten Leuten empfangen und erst mal dürfen wir alles genau unter die Lupe nehmen. Sie zeigen uns die Sample Reception, wo auch unsere Haarproben jede zweite Woche ankommen, die DNA-Aufbereitungslabore und alles weitere. Es ist wirklich interessant und wir sind doch sehr beeindruckt, wie es dort so abläuft. Danach gibt’s mit den Abteilungsleitern und dem Chef von GeneSeek noch ein Meeting, dann ist auch schon Mittag. Mit einem der Mitarbeiter gehen wir richtig amerikanisch essen. Bei der Fahrt in die Stadt fragt er uns ob wir grossen oder eher kleineren Hunger haben. Wie aus der Pistole geschossen sagen Franz und ich: “KLEINER”, denn die Portionen der Amis haben wir beide in den letzten Tagen kennengelernt – also gibt’s Burger. Bei Lazlo’s Brewery & Grill bekommen wir dann jeweils einen riesigen Burger mit Beilagen. Unglaublich, wie man solche Portionen jeden Tag verdrücken kann. Aber auch hier sprechen die Figuren der Gäste um uns herum Bände…

Am Nachmittag haben wir noch ein paar einzelne Besprechungen, dann fahren wir nochmal ins Hotel, bevor wir am Abend wieder zum Abendessen abgeholt werden. Alle 3 Abteilungsleiter, die nicht beim Mittagessen waren, gehen jetzt mit uns noch Essen. Diesmal gibt’s Steak im Misty’s Steakhouse. Wenn sie eins können, die Amis hier, dann sind es hervorragende Steaks. Nur schade, dass ich vom Mittagessen immer noch so voll bin, dass ich fast gar keinen Hunger habe… Gut ist des trotzdem! Danach werden wir wieder zu unserem Hotel gefahren und sind froh, wieder endlich ins Bett zu kommen. Blöde Zeitverschiebung!!!

Donnerstag/Freitag, 15./16. Juli 2015: Take Off & Return

Heute fliegen wir endlich wieder nach Hause – Falko freut sich schon ganz arg auf mich und ich freu mich auf ihn! Jetzt war ich auch lange genug unterwegs.

Am Vormittag haben wir allerdings noch einmal eine Besprechung bei GeneSeek. Anschliessend fährt uns ein Mitarbeiter nach Omaha zum Flughafen. Die Fahrt dauert ungefähr eine Stunde und so sehen wir noch ein bisschen was von der Gegend. Sehr aufregend ist die aber leider nicht. Alles flach bis leicht hügelig und überall gibt’s einfach nur Mais und Soja und Mais und Soja und etc….

Von Omaha fliegen wir dann wieder zurück nach Chicago. Wir sind aber etwas früh dran und müssen uns am Flughafen noch einiges an Zeit vertreiben, also schlendern wir von Duty Free zu Duty Free und schlagen die Zeit tot, trinken Kaffee und schauen den Leuten zu. Kurz vor unserem Abflug treffen wir uns vor dem RICHTIGEN Gate mit Birgit und Beat, zwei weiteren Mitarbeitern/Genetikern, die noch länger als Franz bei der Tagung in Orlando waren und jetzt auch auf dem Rückweg sind. Gemeinsam warten wir die letzte halbe Stunde und können dann endlich einsteigen.

Nun sind es nur noch knappe 9 Stunden, dann bin ich wieder in Zürich. Der Flug zieht sich allerdings und ist für mich schlimmer als der Hinflug. Da der Online Check In am Vorabend nicht funktioniert hat hab ich einen ziemlich bescheidenen Platz in der Mitte und nicht am Fenster. So wird mir beim Start schlecht, was sich dann hartnäckig über die nächsten Stunden hält. Das Essen ist schlecht und schlafen kann ich auch nicht richtig.

Bei unserem Abflug am Donnerstag ist es in Chicago ca. 17 oder 18 Uhr. Als wir in Zürich ankommen haben wir dann dank der Zeitverschiebung schon Freitag, um 11.30 Uhr Mittags. Ich bin so richtig fertig, aber ich glaube den anderen geht es nicht anders. Wir sehen alle ziemlich gerädert aus, als wir am Gepäckband auf unser Hab und Gut warten. Mit Franz springe ich dann auf den nächsten Zug Richtung Hauptbahnhof. Dann nehme ich die übliche Route über Wädenswil nach Biberbrugg. Falko holt mich dort mit dem Auto ab. Ach, es ist schön wieder hier zu sein

Jetzt freue ich mich auf mein Bett! In den nächsten Tagen werde ich mich so langsam wieder an die Zeit hier gewöhnen und mit stets weniger werdenden Mittagsschläfchen wieder in den normalen Rhythmus finden

Ob ich in den nächsten Jahren noch einmal das Bedürfnis habe in die USA zu reisen weiss ich nicht. Aber missen möchte ich diese Erfahrung nicht, denn spannend war es wirklich zu jeder Zeit

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