Pizzo Centrale

#storyHike'n'Trail

Wir möchten mal wieder zwei Tage auf einem Pass verbringen und entscheiden uns für eine Kombination Wandern und Bouldern – Ziel soll der für uns nicht allzu weit entfernte Gotthardpass sein. Am Sonntag Morgen starten wir also mit dem Auto, nachdem wir vorher Schlafsäcke, Kochutensilien und alles weitere verstaut haben. Am Vierwaldstättersee entlang fahren wir hinauf auf den Pass und stellen das Auto am gut besuchten Ospizio auf der Tessiner Seite ab.

Ab hier geht es erst einige Zeit auf einem asphaltierten Fahrweg (der für Autos gesperrt ist) in Richtung Lago di Sella, einem Stausee am Ende des Hochtals. Es ist noch ein wenig frisch und der kühle Wind lässt uns erstmal noch die Jacken anbehalten. Als dann aber wenige Zeit später die Sonne immer stärker wird, legen wir die Softshell schnell ab und machen uns am linken Seeufer entlang auf den Weg zu einem Abzweig, der uns dann im weiteren Verlauf hinauf in Richtung Pizzo Centrale bringen soll. Den Abzweig vom See weg finden wir schnell, es geht weiter steil hinauf. Zwei Wanderer sitzen auf ein paar Steinen und machen eine Pause, wir steigen an ihnen vorbei weiter den Weg hinauf. Der führt mir aber irgendwann zu lange in die eigentlich falsche Richtung und wir werfen schnell noch mal einen Blick auf die Karte. Uns wird schnell klar, dass wir irgendwo an einer Verzweigung vorbeigegangen sein müssen, die eigentlich rechts hätte abgehen müssen. Nur wo war die?

Ein Blick zurück lässt uns erahnen, wo der Fehler lag. Die zwei Herrschaften, die sich da so urgemütlich am Wegrand hingesetzt haben, haben sich so dämlich vor die ohnehin schon durch ein paar kleinere Erdrutsche schwer erkennbare Abzweigung und vor allem die Wegmarkierung gesetzt, dass wir die schlicht und ergreifend nicht gesehen haben. Also marschieren wir etwas genervt wieder zurück – und siehe da, tatsächlich ist dort ein grosses Wanderschild mit Markierung. Schön zu sehen, solange niemand davor sitzt.

Nun also auf dem richtigen Weg hinauf, es geht steil über Bergwiesen, bis bei P. 2468 ein kleiner Pfad weiter nach rechts abgeht. Dieser führt uns auf das Plateau Sasso die Paisgion hinauf, wobei wir eine kleinere Steilstufe mit leichter Kletterei überwinden müssen. Oben angekommen geht es über herrliche Granitplatten weiter, immer nach Südosten und unter dem Tritthorn (2924 m) hindurch. Wir können eine wunderbare Aussicht auf die umliegenden Berge geniessen und kommen recht gut voran. Als wir den vom Tritthorn herabziehenden Südostgrat erreichen (auf dem es sich eine grössere Horde Steinböcke bequem gemacht hat), machen wir eine Pause und stärken uns mit etwas zu Essen und zu Trinken.

Ab hier wendet sich der Weg nun nach Norden und quert eine schuttige Flanke oberhalb eines kleinen Mini-Sees und ein paar sterbenden Schneeresten, um wenig später den Guspissattel (2888 m) zu erreichen. Bei der Querung sehen wir noch weitere Steinböcke, die sich von uns überhaupt nicht stören lassen und in aller Ruhe eine Pause auf warmen Granitblöcken eingelegt haben.

Wir erreichen indes den Sattel und haben nun die letzten gut hundert Höhenmeter vor uns, um auf den Gipfel des Pizzo Centrale zu gelangen. Über einen steilen Weg, der sich in vielen kleinen Serpentinen nach oben schraubt, erreichen wir den windigen Gipfelaufbau des höchsten Berges in diesem Gebiet oberhalb Andermatts. Man hat eine schöne Aussicht ins Guspis und zum Gemsstock, wo wir im Winter auch bereits das ein oder andere Mal zum Freeriden unterwegs waren. Im Westen grüssen die Eisriesen des Berner Oberlandes herüber und grüssen tut auch der kalte Wind, der uns recht bald wieder hinab treibt.

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Im Abstieg vom Gipfel ist es auf dem steilen und staubigen Weg etwas rutschig, aber trotz kleinerer Zetereien erreichen wir wieder bald die Guspislücke und machen uns auf dem selben Weg wieder auf in Richtung Gotthardpass. Ohne grössere Zwischenfälle erreichen wir wieder die kleine Kletterstelle, die wir aber zügig hinter uns bringen und anschliessend den Wanderweg hinab in Richtung Lago di Sella laufen. Dort machen wir noch einmal eine längere Pause, bevor es dann endgültig retour zum Auto geht.

Am Gotthardpass findet gerade der kleine Markt Alpinavera statt, wo kleinere Bauern und Hersteller ihre Produkte präsentieren können. Dort schauen wir uns noch ein wenig um, bevor wir erstmal nach Andermatt hinunter fahren und uns dort in unserem altbewährten Café etwas zu trinken gönnen. Dort überlegen wir, wie wir unsere Übernachtung anhand des nicht mehr so tollen Wetterberichtes gestalten wollen. Irgendwann beschliessen wir dann, dass wir doch eigentlich statt einer regnerischen und kalten Nacht auf dem zugigen Pass eine gemütliche Nacht im Hotel Tenne im Wallis verbringen könnten, wo wir es uns schon einmal beim Z’Nacht gutgehen haben lassen. Gesagt, getan – wir fahren über den Furkapass hinüber ins Obergoms und beziehen ein schönes Zimmer in dem gemütlichen Gasthof und geniessen am Abend ein hervorragendes Abendessen im hauseigenen Restaurant. So war das dann doch viel schöner als der ursprüngliche Plan und als es dann Abends stark zu regnen anfängt und auch in der ganzen Nacht nicht mehr aufhört können wir das Rauschen des Regens richtig geniessen.

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