Bockmattli

#storyFels

Bereits morgens um neun, als Patrick bei mir vorbeischaut und mich abholt, scheint die Sonne und es verspricht ein hervorragender Herbsttag zu werden. Nach kurzem Überlegen entscheiden wir uns, ans Bockmattli zu fahren, das ist nicht allzu weit und man kann dort einige schöne Routen klettern. Also geht es (im VW-Bus wieder recht gemütlich ) am Sihlsee entlang, über die Sattelegg ins Wägital und dann nach Innerthal, wo wir das Auto abstellen. Über eine sich etwas ziehende Alpstrasse (warum vergess‘ ich hier eigentlich jedesmal, das Bike mitzunehmen???) wandern wir hinauf am Kletterhüttli vorbei zum Einstieg der „Namenlosen Kante“, wo natürlich just in dem Moment schon eine Zweierseilschaft am Rödeln ist – sonst ist im ganzen Gebiet kein Mensch.

Wir legen das Geraffel an und entscheiden uns dann, die beiden noch schnell direkt zu überholen, da das ein etwas längeres Manöver zu werden scheint und wir wenig Lust haben, dann in der Route selber hinterher zu dackeln. Die sind aber auch nett und haben nichts dagegen. Also klettere ich schnell die erste Seillänge hoch zum Stand in einer kleinen Höhle. Patrick kommt nach und geht direkt die nächste Länge und so wechseln wir uns Länge für Länge ab, bis Klein-Falko Mist macht. Genauer gesagt geht er am Ende einer Seillänge zum Stand des rechts der „Namenlosen Kante“ hinaufführenden „Höhlenwegs“. Das ist uns aber in dem Moment noch nicht klar. Also Stand machen, Patrick kommt nach und mir wird immer heisser. Das Wetter ist zwar wirklich genial, aber durch die Föhnlage und die Südexposition ist es auch dementsprechend warm in der Wand. Die Trinkflasche verliert dementsprechend rasant an Gewicht. Patrick in der nächsten Länge, danach wieder ich.

Scheisse, ist das heute schwer. Liegt bestimmt an der Hitze. Oder ich bin einfach so schlecht. Nochmal Patrick, nochmal ich. Als ich dieses Mal irgendwo die Arme ausschüttelnd hänge, kommt langsam mal so der Gedanke auf, dass diese letzen Seillängen eigentlich irgendwo im Bereich 3c – 4c liegen sollten, das tun sie aber nicht mal ansatzweise. Die letzte Länge, Patrick ist nochmal dran. Auch er ist sichtlich am Schwitzen, schüttelt und ruht sich aus. Ich hole nun doch nochmal das Topo aus dem Rucksack und so langsam wird es dann klar, dass wir uns wohl im benachbarten „Höhlenweg“ befinden, die letzten Seillängen mit 5b/5c/5c/5c+ und 6a passen hier auch definitiv besser ins Schema. Naja, ist jetzt auch nicht schlimm, wir kämpfen uns noch die letzte Länge hoch und lachen dann über den Fehler.

Ich wollte die „Namenlose Kante“ eigentlich machen, weil ich sie mit Marina auch mal klettern wollte und wissen wollte, ob es da für sie blöde Stellen drin hat – zwischendrin war ich dann natürlich schon der Meinung, dass das alles überhaupt nicht geht, aber mit dem Wissen, dass wir in der falschen Route waren, können wir die Original-Route sicherlich auch mal machen, vielleicht klappt es noch im Herbst.

Am Ausstieg machen wir ausgiebig Pause und geniessen das gute Wetter und die tolle Sicht, die wir dank des Föhns haben. Ein etwas rutschiger Abstieg bring uns zurück zum Weg, die andere Seilschaft ist immer noch an der Kante unterwegs (dafür sind sie richtig gegangen ). Wir steigen wieder ab ins Tal und gönnen uns noch ein Eis in Einsiedeln, bevor es nach Hause geht.

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