Mutteristock

Der Mutteristock. Nichts besonderes, sollte man meinen. Im Winter wahrscheinlich die Skitour schlechthin, vom Grossraum Zürich gut erreichbar, nicht allzu schwer, gerade so lang, dass man die Beine oben spürt und sich sagen kann, man hätte ordentlich etwas unternommen.

Da wir beide noch nie im Sommer hier oben waren, haben wir uns heute den Anstieg als Wanderung vorgenommen. Mit dem Auto geht es über die Sattelegg ins Wägital und den See hinter bis an sein Ende. Es tummeln sich sehr viele Angler hier und überall liegen kleine Boote auf dem Wasser oder stehen Gummistiefel-bewehrte Menschen am Ufer und warten geduldig auf den Fang.

Wir laufen auf der Skiroute, die aber dem Wanderweg folgt, hinauf und erreichen bald eine kleine Alp, an der noch einige Schafe im Schatten eines Baumes liegen und nicht gerade besonders erpicht auf Bewegung ausschauen. Wir steigen an ihnen vorbei und gewinnen immer mehr an Höhe. Hier ist es recht steil, im Winter ist das auch häufig etwas mühsamer zu gehen, aber zumindest im Sommer rutscht man nicht in einer schlecht angelegten Spur immer wieder zurück.

Nach einigen hundert Höhenmetern erreichen wir die Alp Rinderweid, wo man in einiger Entfernung noch die Kuhglocken bimmeln hört. Hier machen wir eine Trinkpause und nehmen dann den Weiterweg in Richtung Mutteri in Angriff. Dazu müssen wir in einem längeren Linksbogen bis unterhalb des markanten Abbruchs des Mutteribergs laufen, einem Ausläufer des eigentlichen Mutteristocks. Hier quert man unter der senkrecht abfallenden Felswand hindurch und erreicht dann die grosse und weitläufige Landschaft, die sich bis zur Torberglücke hinauf zieht. Hier ist man jetzt aber noch einige Zeit unterwegs, wir lassen uns Zeit und machen auch noch mal eine Ess- und Trinkpause zwischendurch. Ein paar kleine Regentropfen verziehen sich zum Glück schnell wieder und so erreichen wir den Beginn des Karstgebietes kurz vor der Torberglücke.

Zwischen bereits beeindruckend schroffen Kalkablagerungen und Rinnen sowie einem rund fünf Meter tiefen Felsloch geht es die letzten Meter zur Lücke hinauf, von der aus man einen tollen Blick auf die markante und riesige Nordwestwand des Glärnisch hat. Links haltend folgen wir weiter dem Weg, die gleiche Route, die man im Winter auch mit Ski wählt. Haben wir aber bis hierher bereits gedacht, dass es schwer vorstellbar ist, dass die ganzen Karstlöcher und -risse im Winter zugeschneit sind und ein angenehmes Fahren und Gehen mit Ski ermöglichen, so sollten wir uns gleich noch wundern.

Oberhalb der Torberglücke folgt nun im Winter ein kurzer Aufschwung mit einem anschliessenden, rund 200 m langen Flachstück, bevor es einen weiteren Aufschwung hinauf geht, der dann kurz vor dem Gipfel liegt. Wie gesagt, im Winter mehr oder weniger ebenes Gelände. Wir stehen nun aber vor einem völlig zerklüfteten Karstgebiet mit wirklich riesigen Löchern und Spalten – der Wanderweg macht einen grösseren Linksbogen, um das Gewirr halbwegs zu umgehen. Ich suche mir einen Weg mitten hindurch, ungefähr die Linie, die man im Winter wählt. Einige mehrere Meter tiefe Dolinen muss ich umgehen, es ist wie mitten in einem spaltenreichen Gletscher und ebenso lange braucht man, um die an sich kurze Distanz zu überwinden, da man überall irgendwelchen Hindernissen ausweichen muss. Ich bin wirklich ziemlich baff, dass es hier zwar ein Karstgebiet gibt war mir bekannt, aber dass es so ausschaut, damit hatte ich nicht im geringsten gerechnet.

Wir folgen dem letzten Aufschwung zum Vorgipfel, auch hier ziemlich zerklüftet und dann geht es oben, schon in Gipfelsichtweite, um eine letzte Kurve und einen Vorsprung herum und man steht vor einem vielleicht 15 m tiefen und rund fünf Meter breiten Loch! Unten drin noch letzte Schneereste, man muss mit leichter Kletterei sich einen Weg aussen herum suchen und dann noch durch weitere grosse Löcher (in die man bequem ein kleines Haus bauen könnte) die letzten Meter hinauf zum Gipfelgrat in Angriff nehmen. Alter Schwede!!! Dafür, dass das die Standardtour im Winter ist und hier auch enorm viele Leute (mich eingeschlossen) alleine unterwegs sind scheint extrem wenig zu passieren. Das ist eigentlich vergleichbar mit einem sehr spaltenreichen Gletscher, bloss dass man in Spalten und Löcher mit sehr scharfen Dolinenkalk fallen würde.

Marina gefallen die letzten Meter Kletterei nicht so gut und so steige ich nachdenklich noch kurz alleine hinauf auf den Gipfel. Nach einem kurzen Umherschauen gehe ich wieder hinunter zu ihr und wir machen uns langsam auf den Rückweg, denn der ist weit und wir haben nochmal 1400 Höhenmeter Abstieg vor uns. Mit dem ganzen Auf und Ab in Kalkspalten wahrscheinlich noch einige Meter mehr …

Wieder zuhause angekommen recherchiere ich ein bisschen nach der Thematik Dolinen am Mutteristock, finde aber nicht wirklich viele Informationen darüber. Ein paar Wanderberichte beschreiben diese Landschaft, aber vor allem im Winter und in den Skitourenführern findet man überhaupt keine Informationen dazu. Das finde ich irgendwie krass, denn hier sollte man wirklich erst bei einer gut gesetzten und mächtigen Schneedecke unterwegs sein. Denn am meisten hat mich beeindruckt, dass ich dieses riesige Loch kurz unterhalb des Gipfels vom Winter her schlicht und ergreifend nicht kenne – sprich es ist völlig eingeschneit. Ob da allerdings dann wirklich 15 m hoch der Schnee drin liegt, wage ich wirklich zu bezweifeln …

Details zur Tour

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