Punt dal Gall – Munt la Schera

#storyHike'n'Trail

Bei schönstem, sonnigen Herbstwetter verbringen wir mal wieder ein Wochenende im Engadin. Unser Zuhause für eine Nacht ist das Crusch Alba in Zernez, das wir schon aus dem Winter kennen. Am Samstag Morgen reisen wir mit dem Zug an. Über Wädenswil und Chur erreichen wir das Schmalspurnetz der Rhätischen Bahn. Weiter geht’s mit dem Zug bis nach Bergün. Dort steigen wir aus und legen die Strecke bis zum nächsten Bahnhof in Preda zu Fuss zurück. Der Wanderweg führt an der Albulastrecke entlang, die wir schon im Sommer 2014 gewandert sind. Da uns das aber so gut gefallen hat, machen wir es nun in der kühleren Herbstsonne noch einmal.

In Preda müssen wir dann (aufgrund falscher Abfahrtszeitangaben von Herrn Burghausen ) noch eine Stunde auf den nächsten Zug Richtung Samedan warten. Aber die Zeit lässt sich hier ganz gut „totschlagen“, in den nächsten 7 Jahren wird hier ein neuer Albula-Tunnel gebaut und die Baustelle ist mit vielen Infos ausgestattet, so dass uns nicht ganz so langweilig wird.

In Samedan steigen wir dann noch einmal um (mit kurzem Kaffee-Stop) bevor wir am späten Nachmittag in Zernez ankommen. Gleich können wir unser diesmal etwas kleineres Zimmer beziehen und Abends geht’s nebenan zum Pizza essen.

Die Nacht ist solala. Im Zimmer über uns ist wohl ein kleines Kind am werkeln, dass auch gerne mal Nachts um 2h auf dem Holzboden zu klopfen und spielen anfängt. Normalerweise schlafe ich sowas weg, aber diesmal frage ich mich, wie Falko so einen seeligen Schlaf finden kann… Irgendwann ist aber auch die Nacht vorbei, ein bisschen Schlaf hab auch ich noch gefunden und das leckere Frühstück hebt die Stimmung.

Nachdem unsere Siebensachen wieder in unseren Rucksäcken verstaut sind, laufen wir zum Bahnhof und fahren mit dem nächsten Bus in Richtung Ofenpass. Am P4 Punt la Drossa biegt der Bus in den kleinen, schmalen Munt la Schera Tunnel ein, der direkt nach Livigno in Italien führt. Der Tunnel ist gerade einmal so gross, dass der Bus hindurch passt und kerzengerade (bis auf eine winzige Biegung ganz am Ende). Der Busfahrer gibt ganz schön Gas und in ein paar Minuten kommen wir auf der anderen Seite am Lago di Livigno wieder ans Tageslicht. Wir steigen hier direkt aus – und kommen somit doch nicht ganz bis nach Italien. Die Landesgrenze liegt mitten auf der Staumauer des Sees, rund 100 Meter vor uns …

Unser Weg führt uns vom Stausee weg eine kleine Hilfsstrasse hinunter, die zum Bau und wahrscheinlich auch zum Betrieb der Staumauer angelegt wurde. Nach wenigen Kehren zweigt dann der Wanderweg in den Nationalpark ab. Am Fluss entlang (die Spöll) schlängelt er sich malerisch entlang. Im Schatten sind Boden, Blätter und Steine von einer leichten Frostschicht umgeben, aber langsam werden unsere Zehen und Finger vom Laufen wieder warm. Als sich der Weg nach einiger Zeit vom Wasserlauf entfernt und bergauf verläuft können wir auch eine Schicht Fleece, Handschuhe und Mützen im Rucksack verstauen – endlich wird es wärmer und teilweise laufen wir nun auch in der Sonne.

Am Punkt 1720 treffen wir auf den Weg, den wir schon im Sommer gegangen sind, als wir auf der anderen Seite der Spöll aus der Gegenrichtung kamen. In mal dichterem, mal lichterem Wald folgen wir dem Weg bis zum Punkt 1828. Hier machen wir mal eine Pause und essen ein bisschen fröstelnd unsere Brote. Von hier könnten wir direkt zu P4 zurück laufen, um mit dem Bus Richtung Zernez zu fahren. Da es aber noch früh ist und wir Lust haben, noch länger unterwegs zu sein, entschliessen wir uns nochmals zur Alp la Schera zu laufen (wie wir es bereits einmal gemacht haben). Erst durch Wald, später über offene Wiesenflächen (Weiden gibt es im Nationalpark ja keine) nähern wir uns dem kleinen Alpgebäude. Nach der Alp laufen wir noch ein Stück weiter, wie im Sommer. Am Punkt 2338 biegen wir aber ab, um noch den 2568 Meter hohen Munt la Schera zu besteigen. Von hier sieht es aus, als hätte es kaum Schnee und so machen wir uns an den Aufstieg.

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Kurz vor der Gipfelkuppe liegt dann aber doch einiges an Schnee und in den Nordhängen hat sich mehr Schnee gehalten als gedacht. Wir geniessen kurz unser Gipfelglück, um uns dann an den Abstieg zu machen. Die nächsten 200 Höhenmeter hinunter sind etwas mühsam. Es ist zwar eine Spur im ersten Schnee vorhanden, aber trotzdem rutscht man immer mal wieder weg. Zurück auf unserem Sommerweg wird es aber erst mal nicht viel besser. Hier ist der Weg sehr matschig, überall sind Pfützen und Schlamm. Falko kann ganz gut damit umgehen und kommt ziemlich sauber aus der Sache raus. Ich bin da wohl nicht so geschickt und meine Hosen sind nach dem Abstieg mehr Schlamm als Grün.

Unterhalb des Munt Chavagl überqueren wir die Grenze des Nationalparks und steigen Richtung Buffalora ab. Der Bus fährt heute zum letzten Mal stündlich, aber natürlich ist er vor ca. 20 Minuten abgefahren. Wir wissen uns aber zu helfen und gönnen uns auf der Sonnenterrasse des Restaurant Buffalora eine Schoggi Melange und geniessen die Sonnenstrahlen, bevor es mit Bus und Bahn wieder nach Hause geht.

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