Grosser Mythen

#storyHike'n'Trail

Der wärmste Sommer, der wärmste Herbst, das niederschlagsärmstes Jahr seit Messbeginn – die Superlative reihen sich heuer in den Medien aneinander wie Perlen. Aber es ist leider einiges Wahres dran und von dem schönen Schnee, der uns vor kurzem wenigstens drei Schneeschuh– und Skitouren beschert hat, ist nicht mehr allzuviel übrig. Zwar liegen vielerorts noch einzelne Schneeflecken und auch im Hoch Ybrig hat das Skigebiet offen, aber was da geboten wird, ist wirklich lächerlich. Auch die Beschreibungen von Skitouren auf den üblichen Verdächtigen an Tourenportalen im Internet sind immer gespickt mit Hinweisen auf Steine, Tragepassagen und ähnlichen, jegliche Lust auf Skitouren vermiesenden Fakten versehen.

Insofern ist heute ein schöner Tag, denn die Sonne scheint – nicht! Genauer gesagt ist es einfach ein bisschen grau und im Laufe des Tages kommen wir sogar in den Genuss von sechs oder sieben Regentropfen pro Quadratmeter. Unverhältnismässig warm ist es aber trotzdem und da man einfach nichts richtig machen kann (Velofahren ist recht kühl, Skitouren – haha und Wandern ist wiederum auch schwierig, weil dafür vielerorts dann doch zuviel Schnee liegt) entschliesse ich mich zu einer weiteren Besteigung des Grossen Mythen. Die Südflanke mit dem Wanderweg sah letztens von der Ibergeregg aus fast komplett schneefrei aus und so liesse sich vielleicht doch noch die zwanzigste Besteigung in diesem Jahr verwirklichen. Wichtige Pläne also und so tuckere ich ins Brunnital, ausgerüstet mit Bergschuhen und sogar die Steigeisen habe ich mal vorsichtshalber in den Rucksack geworfen.

Am komplett verlassenen Parkplatz mache ich mich auf den Weg, die übliche Route via Holzegg. Unten hat es durch die schattige Lage einiges an Eis und geforenen Matsch auf dem Weg, aber ich absolviere meine Schlittschuhübung mit Bravour und erreiche bald den eigentlichen Wanderweg, der im Wald fast schneefrei ist. Weiter oben dann, ein Stück unterhalb der Holzegg, liegt dann doch eine durchgängige Schneedecke und ich muss ein wenig wuseln, um mich durch diesen harten und eisigen Mist durchzuackern. Man sinkt nicht ein, aber es ist einfach recht rutschig und zu allem Übel hätte ich heute morgen etwas mehr essen sollen, denn irgendwas stimmt nicht so ganz, ich fühle mich recht schummrig und diese leuchtenden Flecken vor den Augen sollten eigentlich auch nicht da sein. Bevor die Herzfrequenz ungeahnte Höhen erreicht, mache ich also mal eine Pause und werfe mir ein paar Kohlenhydrate in Form eines Müsliriegels ein. Etwas langsamer mache ich mich dann kurz drauf auf den Weiterweg, und etwa zehn Minuten später merke ich richtiggehend, wie es plötzlich besser läuft und offenbar der Treibstoff seinen Weg gefunden hat.

Ab der Holzegg geht es nun weiterhin verschneit zum Fusse des Mythen, aber ab dort kann ich dann auf einem fast vollständig schneefreien Weg ohne grössere Hindernisse an Höhe gewinnen. Nur vereinzelt muss man ein paar Altschneefelder queren, aber das geht recht gut. Erst oben nach dem kurzen Gratstückchen, wo es in die schattige Nordflanke geht, liegt dann Schnee, aber da hier sogar im Winter Seile gespannt sind, komme ich hier gut voran und brauche nicht einmal die Steigeisen. Wenig später erreiche ich dann mutterseelenallein den Gipfel und geniessen einen Apfel und die Rundumsicht auf grüne Berge mit weissen Gipfeln.

Der Abstieg geht dann auch gut vonstatten, ein Pärchen begegnet mir kurze Zeit später noch, aber sonst sehe ich niemanden weiter hier. Etwas später bin ich dann wieder an der Holzegg und fahrrutschgehfalle den weiteren Abstieg bis zurück nach Brunni hinunter.

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