Winterhorn

Aktivitäten, Skitouren

Da dieser Winter bisher schneetechnisch kaum interessant war, stand ich bis heute kein einziges Mal auf Skiern. Aber nach Sonne, Schnee und wieder mal Regen soll es heute endlich so weit sein. Der Wetterbericht hat für diesen Sonntag Sonne, Sonne und nochmal Sonne angesagt und unglaublich warme Temperaturen für Februar. Im Mittelland bis zu15°C und einer Nullgradgrenze, die auf 3000 m klettern soll. Aus diesem Grund beschliessen wir auch sehr, sehr früh aufzustehen, um die kühlen Morgenstunden für den Aufstieg und den ersten Firn für die Abfahrt nutzen zu können. Mal sehen ob der Plan aufgeht.

Um 5 Uhr klingelt also der Wecker – und das am Sonntag. Mir fällt es wirklich schwer mein gemütliches Bett im Stich zu lassen. Aber nach einer Tasse Kaffee sieht die Welt schon etwas freundlicher aus. Bald sitzen wir schon im Auto, holen in Schwyz noch Charlie und Menno ab und weiter geht’s Richtung Uri. Unser heutiges Ziel ist das Winterhorn. Dieses Ziel hatten wir bereits im April 2015 in Angriff genommen. Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse und der unsicheren Lawinensituation mussten wir unsere Tour damals leider frühzeitig abbrechen. Die Sicht sollte heute allerdings kein Problem darstellen.

Bei unserer Ankunft an der geschlossenen Gotthardpassstrasse werden die Gipfel um uns herum bereits von der Sonne nur so angestrahlt. Mit ein paar anderen ankommenden Skitourengehern machen wir uns marschbereit und tigern dann los. Noch ist hier nicht all zu viel los, es ist ja auch gerade mal halb acht morgens, aber das wird sich im Lauf des Tages noch ändern und wir werden froh sein auf unsere Wecker gehört zu haben.

Das erste Stück geht’s die Passstrasse entlang und durch einen kleinen Strassentunnel. Da der Gotthardpass im Winter gesperrt ist kann man hier entspannt Winterwandern gehen. Wir verlassen die Strasse allerdings direkt nach dem Tunnel und stechen ins “offene” Gelände. So offen ist es dann doch nicht. Bis vor einigen Jahren gab es hier ein kleines Skigebiet, welches aber seit 2008 nicht mehr in Betrieb ist. Nicht mehr rentabel wurde das komplette Skigebiet inkl. Bergrestaurant im Jahr 2009 medientauglich auf einer Internetplattform versteigert, trotz Investor blieb der Erfolg allerdings aus. Neben dem grossen erfolgreichen und modernen Andermatt konnte sich Hospental mit den veralteten Anlagen einfach nicht mehr behaupten. 2013 wurde dann der Rückbau der Anlagen beschlossen und das gesamte Gebiet unter Landschaftsschutz gestellt. Hier sind wir nun also und suchen uns unseren Weg unter den immer noch stehenden Liftmasten hindurch.

Wir kommen ganz gut voran und als wir nach dem ehemaligen Bergrestaurant dann endlich vom Schatten in die Sonne tauchen, machen wir auch eine erste Pause – Verpflegung mit Müsliriegeln, belegten Broten und Wasser ist angesagt. Danach geht es weiter. Über die ehemaligen Pisten steigt die Route konstant an, bis wir die ehemalige Bergstation des zweiten Sessellifts erreichen. Hier machen wir nochmals eine Pause, schnallen die Ski ab und lassen die Felle in der Sonne trocknen. Da es im unteren Bereich unseres Aufstiegs nach den gestrigen Regenfällen sehr nassen Schnee gab und hier oben die Oberfläche langsam trockener wird, stollt der Schnee an den nassen Fellen unter unseren Ski und wir schleppen teils dicke Schneebrocken mit uns herum, die natürlich teuflisch bremsen und auch nicht gerade wenig wiegen – sehr nervig.

Nach der Trocknungspause geht’s dann weiter bergauf. Ca. 800 Höhenmeter haben wir schon geschafft und ca. 350 Höhenmeter haben wir bis zum Gipfel noch vor uns . Der nächste Abschnitt führt uns auf einen etwas steinigen Grat. Da nicht sehr viel Schnee liegt, führt die Spur in Schlangenlinien um die grössten Blöcke herum – ein ganz schönes Zickzack ist das hier – und mir kommen die ersten Zweifel, wenn ich an die Abfahrt nachher denke. Im Aufstieg klappt das allerdings erst mal ganz gut und bald erreichen wir die Querungen unterhalb des Gipfels. Ein paar Skitourengehen verlassen die auf der Skitourenkarte eingezeichnete Route und legen eine steile Spur mit viele Spitzkehren in die östliche Flanke, die direkt zum Gipfel führt. Da die ganze Schneedecke allerdings keinen gerade stabilen Eindruck macht, folgen wir diesem Beispiel nicht und gehen den “offiziellen” Weg, der uns nach einer weiteren Querung in eine Sattel südwestlich des Gipfels bringt.

Ab hier würde uns ein Fussaufstieg auf den Gipfel bringen, der nur noch 60 Höhenmeter über uns liegt. Beim Anblick des steilen felsig verschneiten Geländes und der Menschen, die sich darin durch den Schnee wühlen, um auf den Gipfel zu gelangen, verliere ich ganz schnell die Lust auf Gipfelglück. Meine Entscheidung, hier nicht weiter zu gehen ist gleich gefällt und Charlie ist sichtlich froh darüber, ihr ist das Gelände auch zu heikel. Menno wäre gerne noch hoch gegangen, aber als Gruppe beschliessen wir von hier den “Rückzug” anzutreten.

Um wieder ins fahrbare Gelände zu kommen gehen wir die letzte Querung noch angefellt wieder zurück, um dann auf einem etwas flacheren Stück alles für die Abfahrt parat zu machen. Dort angekommen berichtet uns Menno, der als letztes durch die Querung gegangen ist, dass es am Gipfelaufstieg anscheinend gerade einen Unfall gab und wohl die Rega kommt. Und noch während wir am abfellen, verpacken und Ski anschnallen sind kommt schon der Heli angefolgen. Wir geben als Gruppe Handzeichen, dass er weiter zum Gipfelgrat fliegen muss und beobachten den Einsatz noch ein wenig. Der Ersthelfer ist aussen am Heli an der Winde und wird aus der Luft zum Verletzten abgelassen. So einen Einsatz mal aus der Nähe mit ansehen zu können ist wirklich interessant – aber auch nur, solange man nicht selbst betroffen ist. Nachdem der Heli erst mal wieder abdreht, um den Arzt und den Verletzten später wieder abzuholen, machen wir uns dann aber doch an die Abfahrt.

Die ersten Schwünge sind ganz schön holprig, der Schnee ist schwer und die Oberfläche wechselt zwischen Harschdeckel und weicheren Triebschneeansammlungen. Nicht schön. Aber es hilft alles nichts – wir müssen und wollen jetzt mal von hier weg, denn von unserem Abfell-Platz haben wir gesehen, das noch Massen von Skitourengehern gerade im Aufstieg sind. Wahrscheinlich steigen sie alle, oder zumindest viele davon, in den direkten Gipfelaufstieg ein, den wir jetzt unterhalb queren müssen und wir möchten dies nicht erst tun, wenn noch mehr Leute dort im Aufstieg über uns rumturnen. Also geht die Fahrt jetzt richtig los. Durch die Querung und bis zum felsigen Grat zurück.

Allerdings geht es nur langsam voran. Menno ist ganz gut auf den Skiern unterwegs. Charlie dafür (heute?) um so weniger. Ob nun der schwere und schwer zu fahrende Schnee, die müden Beine von ihren letzten Skitagen, der Leihski oder mangelnde Technik dafür verantwortlich sind, sei mal dahin gestellt. Auf jeden Fall kommen wir nur zögerlich voran. Vor allem über den Felsgrat hat sie ihre Probleme und Falko spielt Tröster und Lehrer und lotst Charlie mehr oder weniger elegant über die verwinkelte Spur zurück zur ehemaligen Liftstation. Der schwierigste Teil der Abfahrt wäre damit geschafft.

Ab jetzt fahren wir auf den ehemaligen Pisten Richtung Tal. Die Sonne hat die meisten Harschdeckel soweit aufgeweicht, dass man gut fahren kann und hier macht es dann auch mal Spass. Da wir am Morgen so früh dran waren gibt es sogar noch ein paar unberührte Stellen, in die man seine Spuren ziehen kann. Der aufgefirnte Schnee wird hier unten aber schnell zu einer pappigen Masse, wahrscheinlich auch aufgrund der gestrigen Regenfälle. Das Fahren ist hier zum Schreien anstrengend. Nach spätestens fünf Kurven muss ich jedesmal wieder stehen bleiben, weil ich das Gefühl habe, dass meine Oberschenkel gleich platzen. Das Brennen in den Beinen will gar nicht mehr aufhören und ich bin froh, als die Passstrasse endlich in Sicht kommt. Und als ob uns durch das Skifahren nicht schon warm genug ist, steigen die Temperaturen hier unten immer mehr an, am liebsten würde man fast im T-Shirt runter fahren.

Endlich erreichen wir dann die Strasse, rutschen durch den Tunnel und sind in zwei Minuten wieder am Auto zurück. Mittlerweile ist die ganze Strasse auf beiden Seiten mit Autos vollgeparkt und es gibt kein freies Plätzchen mehr – wahnsinn, was hier für Menschenmassen unterwegs sind. Am Auto zieht sich dann jeder erst mal die dickeren Schichten bis aufs T-Shirt aus und wir entspannen und in der Sonne. Wir fühlen uns wie nach einer Frühjahrsskitour – und das am 21. Februar!

Nachdem wir alles wieder im und auf dem Auto verstaut haben, fahren wir nach Schwyz und gönnen uns auf der Café-Terrasse bei Sonnenschein und im T-Shirt den ersten Eisbecher des Jahres. Sommer-Feeling pur!

Details zur Tour

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