Lötschberg Südrampe Bahnwanderweg

Von unserer schönen Unterkunft hoch über dem Rhone-Tal in Nax starten wir heute unsere kleine Wanderung an der Lötschberg-Südrampe. Es gibt dort einen von der BLS angelegten Bahnwanderweg, der mehr oder weniger auf Höhe der Bahntrasse entlangführt und von wo aus man einen schönen Ausblick auf die beeindruckende Streckenführung hat. Primär möchten wir dort viele Fotos machen, da wir diese Geländebedingungen später mal auf der Modellbahnanlage abbilden wollen.

Mit dem Auto geht es jetzt durch das Rhonetal und hinauf nach Ausserberg, wo wir parkieren und von dort mit dem Zug eine Station weiterfahren möchten. Im sogenannten „Lötschberger“ geht es ca. 10 Minuten lang bis nach Hohtenn, dem letzten Bahnhof vor Goppenstein, wo die Strecke dann im Lötschbergtunnel verschwindet.

Vom Bahnhof aus starten wir (schnell noch an einer grösseren Gruppe vorbei) und marschieren ein kleines Stückchen eine asphaltierte Strasse den Hang hinunter. Dann biegen wir alsbald links ab und befinden uns nun auf einem kleinen Wanderweg, der uns immer an der Bahnlinie entlang führt. Es gibt immer mal wieder Beschilderungen und Beschreibungen des Bahnbaus. Der Weg führt auch in Teilen auf der alten Trasse der früheren Bau-Bahn entlang, was damals Anfang des 20. Jahrhunderts eine kleine Dampfstrecke für den Material- und Arbeitertransport war.

Während wir bei der ersten zu querenden Schlucht dem Wanderweg entlang folgen, entfernen wir uns von der Bahntrasse und erhalten einen tollen Blick auf die steinerne Brücke und das hinter liegende Rhonetal – ein herrlicher Ausblick. Nach der Schlucht geht es erst mal wieder ein ganzes Stück an der Bahnstrecke, bzw. unterhalb entlang und wir machen viele Fotos von der uns umgebenden Landschaft und versuchen uns auch die Details einzuprägen, offene Weideflächen, buschige Abhänge und so weiter und so fort.

Kurz vor dem Weiler Brägji überqueren wir den Jolibach und entdecken einen abenteuerlich aussehenden Weg über eine Hängebrücke und über einen Bohlenweg oberhalb des Baches entlang. Gerne würden wir dort entlang laufen, aber leider führt der Weg in die falsche Richtung naja, vielleicht ein anderes Mal. Für uns geht’s am Weiler Brägji vorbei und leicht ansteigend langsam wieder Richtung Bahntrasse. Diese führt ca. 200m von uns entfernt im Blasbodetunnel durch den Berg hindurch, wir mussten aussen herum laufen und treffen im Anschluss wieder auf die Gleise

Am Chrüterbeizli widerstehen wir der Versuchung einer frühen Pause und folgen dem Weg weiter ein Stück bergauf, obwohl es hier schon verführerisch gemütlich aussieht. Vor lauter gucken verpassen wir allerdings den Abzweig, der uns direkt über das Bietschtal-Viadukt bringen sollte. Statt dessen folgen wir dem Weg, der ins Bietschtal führt. Das ist aber gar nicht schlimm und eigentlich freuen wir uns über diesen kleinen „Umweg“. Denn von hier hinten kann man das Viadukt viel besser betrachten und die Aussicht ins Tal geniessen. Über eine Brücke überqueren wir schliesslich den Bietschbach unter uns, bevor wir auf der anderen Seite einen kleinen Rastplatz für unsere Mittagspause finden.

Während wir unsere Brote geniessen, fallen uns immer mehr die vielen Nester in den Nadelbäumen auf. Weisse Gespinnste, die überall auffällig zwischen den Ästen kleben. Auch auf dem Weg vorher haben wir schon öfters welche gesehen, aber hier im Tal ist das richtig unheimlich – fast an jedem Baum, bzw. an jeder Kiefer, von denen es hier sehr viele gibt, klebt irgendwo solch ein Nest. Dank der modernen Technik und weit verbreitetem Datennetz werden wir nach einigen Minuten fündig – hier treibt wohl der Prozessionsspinner sein Unwesen. Die Raupen spinnen sich in Nestern ein und verlassen diese im Frühling in einer Prozession den befallenen Baum. Sicher ist das ein interessantes Schauspiel, zu nah sollte man den Viechern aber nicht kommen, da die Nesselhaare giftig sind und nicht gerade unerhebliche allergische Symptome hervorrufen können.

Wir halten uns von den Nestern fern und laufen nach unserer Pause wieder aus dem Tal und am Bietschtal-Viadukt vorbei. Nun folgen wir dem Weg, bis wir wieder oberhalb des Rhonetals unterwegs sind. Oberhalb von St. German nähern wir uns wieder der Bahnstrecke, die nach dem Bietschtal-Viadukt in einem Tunnel verschwunden ist. Der minimal abfallende Wanderweg ist an einer Bisse angelegt und wir geniessen das Plätschern, direkt neben unseren Füssen. Suonen oder im Französischen Bisse sind alte Gräben oder Bauwerke, um das Wasser von den Bergen zu den Nutzstellen (meist Viehweiden) zu bringen. Wer mehr darüber wissen will, wird hier gut informiert und kann sich gleich eine weitere Suonen-Wanderung aussuchen

Wir spazieren also immer mit dem Wasser und verlieren somit stetig an Höhe. Kurz nach St. German ist aber Schluss mit dem Geplätscher und die letzten zwei Kilometer legen wir wieder auf einem normalen Wanderweg zurück. Immer wieder können wir die wunderbare Aussicht über das Rhonetal geniessen. Nach den rund 10 Kilometern Weg kommen wir dann in Ausserberg an, wo unser kleines Auto brav auf uns wartet.

Schnell sind wir unten im Tal bei Visp und fahren Richtung Goms, zum Autoverlad, damit wir wieder in die Zentralschweiz wechseln können. Aus dem sonnenverwöhnten Wallis schlüpfen wir in Oberwald in den Tunnel und werden auf der anderen Seite bei Realp in nass-kaltes und trübes Wetter ausgespuckt. Die Wolken hängen tief und es ist eklig ungemütlich draussen. Wie es aussieht haben wir mit unserer spontanen Flucht ins Wallis alles richtig gemacht und für ein Wochenende die Sonne geniessen können.

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