Rund um die Rigi

#storyVelo

Die Königin der Berge wird die Rigi auch genannt. Heute ist sie unser Ziel. Allerdings wollen wir nicht hinauf auf die 1797m hohe Spitze, sondern einmal um’s Rigimassiv herum fahren, und zwar mit den Rennvelos.

Die Rennvelos passen aufeinander ganz gut in das Auto und so fahren wir zu unserem Ausgangspunkt – dem Dorf Sattel. Das Auto parken wir am Gemeindeparkplatz, der nichts kostet und heute am Sonntag ganz leer ist. Schnell sind die paar Kleinigkeiten in den Trikot-Taschen verstaut, Schuhe an, Helm und Brille auf und schon kann’s losgehen. Wir biegen in die Hauptstrasse ein, klicken die Pedale fest und fahren in Richtung Schwyz. Erst mal geht es fast zehn Kilometer nur bergab. Die Strasse nach Schwyz hinunter ist aber gut ausgebaut und hier traue sogar ich mich mal, ein bisschen Tempo zu fahren. In Schwyz biegen wir dann am Hauptplatz ab, überqueren die paar holprigen Meter Kopfsteinpflaster, landen auf der Strasse nach Ibach und fahren von dort einmal unter der Autobahn hindurch weiter nach Brunnen.

Ab hier führt die Strasse nun am Fusse der Rigi am Vierwaldstättersee entlang über Gersau und Vitznau bis nach Weggis. Erst dort wendet sich die Strasse leicht ansteigend vom See weg, um ab Greppen wieder etwas oberhalb des letzten Seeausläufers bis nach Küssnacht a. d. Rigi zu führen. Auf dieser gesamten Strecke sind wir beide aber leider etwas genervt. So schön die Landschaft auch ist, so nervig sind die Leute, die hier ebenfalls Velo fahren. Zumindest zwei! Kurz nach Brunnen überholen wir ein Pärchen (oder Vater und Tochter), die ebenfalls mit den Rennvelos unterwegs sind. Ich bin vorne, also sind wir auch nicht übermässig schnell unterwegs – ein normales Tempo eben. Aber die zwei sind einfach langsamer – ganz offensichtlich. Was ich da vorne nicht mitbekomme ist, dass die zwei oder vor allem der weibliche Teil dieser Zweiergruppe das nicht so toll findet und sie sich an Falko’s Hinterrad heften. Im Windschatten lässt es sich natürlich viel einfacher fahren und so kleben sie an uns wie die Fliegen an der Sch***! Irgendwann fängt die junge Dame dann an uns immer wieder mal zu überholen und vor uns her zu fahren. Ihr etwas älterer Begleiter schafft den Sprung nach vorne aber nicht und so muss sie sich immer wieder zurück fallen lassen.

Mich nervt’s einfach, wenn sie vor mir fährt, da sie nicht schneller ist als ich und ich jedesmal etwas langsamer treten muss, damit ich nicht in ihren Windschatten fahre. So geht das dann also gute 20 Kilometer hin und her – ich fahre aber einfach mein Tempo und will mich nicht auf ein Kräftemessen oder Windschattenfahren einlassen – ich will einfach mein Ding machen. In Weggis macht das Zweiergespann dann, nachdem er auf einem kurzen Anstieg zurückgefallen ist und sie von Falko am „Berg“ durch locker-flockig aussehendes Vorbeifahren demoralisiert wurde (ja, Radsport ist gemein) am Kreisel eine Pause und wir werden die beiden endlich los! Juhuu.

Wir sind jetzt bei Küssnacht und kleine Abfahrten wechseln sich mit kurzen Anstiegen ab. Immensee streifen wir nur am Rande, bevor wir nun die Strasse am Zugersee Richtung Arth-Goldau weiter fahren. Das letzte flache Stück dieser Rundfahrt lassen wir in der Ortsmitte zwischen Arth und Goldau hinter uns. Ab jetzt müssen wir wieder bergauf. Erst geht’s hoch Richtung Tierpark und dann aus dem Ort hinaus. Jetzt steht noch die Auffahrt über Steinerberg und Ecce Homo nach Sattel an. Obwohl es Steinerberg heisst, ist die Strasse dort hin weniger schlimm, als es sich anhört. Mit einer angenehmen Steigung radle ich langsam aber gleichmässig zu dem kleinen Ort hinauf, von dem man eine wunderbare Aussicht über den Lauerzersee und in die Zentralschweizer Bergwelt hat. Nach den ersten Häusern umrunde ich in einer fast perfekten 90° Kurve die Kirche und biege in den Ort ein. Viel ist hier nicht los, wahrscheinlich sitzen die meisten noch zu Hause oder im Gasthaus bei ihrem Sonntagsbraten.

Nach dem Ort führt die Strecke auf der kleinen Landstrasse weiter, mal etwas flacher, mal etwas steiler. Falko war schon voraus gefahren und ist seit dem Ortsausgang von Steinerberg wieder bei mir. Natürlich taucht irgendwann mal wieder wie aus dem Nichts ein E-Biker auf. Immerhin ist es diesmal ein älterer, bereits ergrauter Herr, trotzdem nervt es vor allem mich. Warum müssen Menschen E-Bike fahren? So ein Schwachsinn. Falko ist noch gut fit und überholt den E-Biker ohne grössere Mühen. Ich hingegen strample mich ab wie verrückt und immer wenn ich ihm näher komme, wenn etwas Hoffnung in mir aufkeimt ich könnte ihn doch noch überholen, da kommt ein nächster kleiner Anstieg und ich falle wieder 20-30m zurück. Zum verrückt werden. Kurz bevor wir Sattel erreichen, geht es allerdings nochmal für ein paar Meter bergab und anschliessend eine leichte Steigung hinauf. Hier nutze ich meine Chance, hole richtig Schwung und trete in die Pedale wie eine Verrückte. Wie ein Ackergaul auf Ecstasy strample ich an dem grauen Panther auf seinem Akku-Esel vorbei und hab ein fettes Grinsen im Gesicht, als ich zu Falko aufschliesse, der auf mich gewartet hat. Mit letzter Kraft und Puddingbeinen fahre ich die letzten Meter zum Auto – und dann schnell ausklicken, Füsse auf den Boden, stehen und Muskeln entspannen!

Geschafft, Rigi umrundet.

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