Furkapass: aus dem Kanton Uri ins Wallis

Nachdem wir gestern eher auf einer Flachetappe unterwegs waren – einmal rund um die Rigi – steht heute eine bergige Strecke auf den Furkapass an: mein erster richtiger Alpenpass.

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen ins Auto – die Velos liegen noch von gestern im Kofferraum – und schon geht’s los Richtung Andermatt. Schon in Amsteg müssen wir von der Autobahn abfahren, denn dieses Wochenende beginnen die Ferien und es ist (mal wieder) Stau vor dem Gotthard-Tunnel. Über die Landstrasse fahren wir also durch Wassen nach Göschenen und schlängeln uns durch die Baustelle in der Schöllenenschlucht nach Andermatt hoch. Hinter dem Bahnhof stellen wir das Auto ab und machen uns fertig. Bevor es richtig los geht, gibt’s noch einen kurzen Pinkel-Stop am Bahnhof, dann rollen wir aus Andermatt hinaus Richtung Hospental.

Hier ist es noch flach und auch der Wind ist gnädig. Mit leicht seitlichem Rückenwind radeln wir die 10 Kilometer entspannt nach Realp. Kaum erreichen wir den Ortstausgang ist es dann aber vorbei mit “entspannt radeln”, denn ab hier beginnt die Steigung. Innerhalb von ca. 20 Sekunden schalte ich immer weiter runter, bis es dann keinen leichteren Gang mehr gibt (auch “Maria-Hilf” genannt) – und hier wird meine Kette innerhalb der nächsten zwei Stunden wahrscheinlich auch bleiben.

Die ersten sieben oder acht Serpentinen schlängeln sich dicht übereinander und es ist eindrücklich, wenn man bei jeder Querfahrt wieder hinunter ins Tal schaut und sieht, wie viel – oder wenig – man schon geschafft hat. Die Steigung ist aber einigermassen in Ordnung und ich fahre schön langsam und gleichmässig vor mich hin. Langsam schwindet meine Nervosität und ich habe immer mehr das Gefühl, dass ich das wirklich schaffen könnte. Jetzt kann ich die Fahrt auch geniessen.

Nach ca. 550 Höhenmetern machen wir beim alten Hotel Galenstock eine kurze Pause, um in Ruhe etwas zu essen. Natürlich gibt’s nicht, wie bei Wanderungen, leckere Brötchen, sondern nur Müsliriegel, Wasser und mal das ein oder andere Stückchen Traubenzucker. Kulinarisch sind unsere Wegverpflegungen beim Velofahren nicht gerade ein Highlight, aber es gibt Energie und das ist ja erst mal wichtig. Wir haben auf einem flachen Stückchen angehalten und so kann ich vor dem Weiterfahren einigermassen kontrolliert wieder in meine Pedale klicken. Da stelle ich mich teilweise immer noch ein bisschen dumm an und eiere herum wie ein Anfänger – aber Übung macht ja bekanntlich den Meister. Und die gröbsten Klick-Pedal-Stürze habe ich hoffentlich auch schon hinter mich gebracht.

Die Serpentinen haben wir hinter uns gelassen, vor uns liegt nun die lang gezogene Passstrasse. Nach weiteren 100 Höhenmetern erreichen wir das Hotel Tiefenbach und kommen am Parkplatz für die Albert-Heim-Hütte vorbei. Immer weiter gerade aus und leicht ansteigend erreichen wir Bielenstafeln und den Parkplatz der Sidelenhütte. Hier stürzt sich der Sidelenbach neben der Strasse in die Tiefe und durch den leichten Wind werden die kleinen, feinen Wassertröpfchen durch die Luft gewirbelt – eine kurze willkommene Erfrischung ist das beim Vorbeifahren. Jetzt sind es nur noch 150 Höhenmeter bis zur Passhöhe. Die Strasse wird wieder etwas kurvenreicher und schlängelt sich weiter am Hang entlang, bevor wir die letzten zwei Serpentinen erreichen, die es noch zu überwinden gilt. Am Hotel Furkablick ist es dann so gut wie geschafft und es geht (fast) flach bis zur eigentlichen Passhöhe. JUHUUUU, wir stehen oben!!!

Ich freue mich wie ein Schneekönig und grinse erst mal in die Kamera, aber noch ist die Tour ja nicht zu Ende – die Abfahrt steht mir noch bevor. Und das ist für mich fast der grössere “Angst-Teil” dieser Unternehmung. Ich bin eine hundsmiserable Abfahrerin – das kann man ruhig so sagen. Ich fühle mich auf dem Rad unwohl, wenn’s bergab geht. Oftmals wird es mir gefühlt einfach zu schnell und die engen Kurven in den Serpentinen machen das Ganze nicht gerade einfacher – schnelle Abfahrten wechseln sich also mit Bremsmanövern für enge Kurvenradien ab … Wenn das mal gut geht.

Wir ziehen unsere Windjacken an und machen auf einem Parkplatz noch zwei Aussichtsfotos, dann geht’s an die Abfahrt. Ich bin nervös und wie immer viel am Bremsen. Alles an meinem Körper ist verkrampft, was nicht gerade förderlich ist für ein geschmeidiges Runterfahren. Die ersten Kurven gehen ganz gut, sie sind nicht so eng und die Strasse schlängelt sich eher immer in die gleiche Richtung am Hang entlang. Am Hotel Belvédère fahren wir vorsichtig vorbei, da hier immer sehr viele Touristen auf der Strasse hin und her laufen, um vom Parkplatz einen kurzen Ausflug zu den kläglichen Resten des Rhonegletschers und der Eisgrotte zu machen. Noch vier Serpentinen, dann erreichen wir endlich die Kurve an der Oberalpenstafel. Jetzt geht es erst mal – zwar immer noch bergab, aber überschaubar – gerade aus. Ich gewinne langsam ein bisschen Gefühl für die Abfahrt und die letzten drei Serpentinen nach Gletsch runter laufen ganz okay. In Gletsch brauche ich aber erst mal eine kurze Entspannungspause – Arme und Hände ausschütteln, Nacken entspannen. Dann geht’s auch schon weiter.

Der nächste Abschnitt unserer Abfahrt führt uns nach Oberwald hinunter. Die Strasse hier ist leider nicht in so einem guten Zustand wie von der Passhöhe nach Gletsch, überall sind Schlaglöcher verstreut. Bei einem Schlagloch ziehe ich reflexartig meine beiden Bremshebel und baue damit fast einen Riesencrash! Im letzten Moment wird mir mein Fehler bewusst, ich löse die Bremsen und rausche weiter diese Buckelpiste entlang. Ich hab keine Lust mehr, mir tun die Hände weh und ich bin wirklich nervös, was diese Strasse hier angeht. Aber es hilft nix, schliesslich muss ich ja irgendwie ins Tal – wieder zurück über den Pass kann ich jetzt ja schlecht fahren. Also geht es weiter, bis wir bei St. Niklaus ENDLICH die letzte Kehre durchfahren und nach Oberwald rollen – GESCHAFFT! Pause!

Hier unten hat es unangenehme, schwüle 29°C und wir müssen schnell die plastikartigen Windjacken loswerden. Nach einer Stärkung und der freudigen Erkenntnis, dass ich es wirklich geschafft habe über den Furkapass zu fahren, geht es für uns weiter ins Wallis hinein. Meine Beine sind zwar etwas schwer, trotzdem kann ich gleich nochmal Höchstleistung bringen. Kurz nach Oberwald stehen ein paar Strassentunnel an, die wir durchfahren müssen. Ich weiss, dass wir kein Rücklicht dabei haben und das macht mich ganz nervös – also gebe ich Vollgas, um die Tunnel möglichst schnell hinter mir zu lassen. Danach fragt mich Falko, ob mir die Angst wohl Beine gemacht hat, denn er musste hinter mir anscheinend ganz schön aufpassen, dass er nicht den Anschluss verliert.

Zum Glück wieder mit leichtem Rückenwind fahren wir nun also über Gluringen und Blitzingen bis nach Fiesch. Dort beschliessen wir, unsere Tour hier enden zu lassen. Am Kreisel rollen wir ins Dorf und direkt auf’s Hotel du Glacier zu. Die kleine Terrasse an der Strasse liegt gemütlich im Schatten, bietet die Möglichkeit die Räder direkt am Tisch abzustellen und so steigen wir hier endlich ab. Jetzt gibt’s Rivella, Schorle und leckere Schinken-Käse-Brote mit gutem Walliser Käse.

Nach dieser Stärkung machen wir uns auf dem Weg zum Bahnhof, der eigentlich gleich um die Ecke liegt. Die letzten Meter, die Steil zum Bahnsteig hinauf führen lassen uns unsere Beine nun aber so richtig spüren. Völlig runtergefahren und im Chill-Modus müssen die Muskeln jetzt nochmals für eine Minute richtig ran und das tut weh. Dann ist es aber zum Glück geschafft – gleich kommt der Zug und wir fahren entspannt zurück nach Andermatt! Sooooo cool!

Details zur Route

  • 18. Juli 2016
  • 63 kilometers
  • 1091 Höhenmeter
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Guspislücke

Nach einem kurzen Ausflug zur Guspislücke mit Steph geht es durch das Voralptal wieder retour nach Andermatt und wir fügen noch ein paar Übungsrunden auf der Piste hinzu.

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