Morschach

#storyFels

Gutes Wetter, Montag und alle müssen arbeiten, studieren oder haben sonstige Verpflichtungen. Es wird also nichts damit, auf dem Ibergeregg für ein paar Stunden beim Klettern die Sonne zu geniessen. Ich hab allerdings auch wenig Lust, den Tag zuhause zu verbringen, also schnapp ich mir das Crashpad und beschliesse Bouldern zu gehen. Heute aber nicht in die Halle, das wäre bei dem Wetter wirklich unangebracht. Via Schwyz und Brunnen fahre ich nach Morschach, ein kleines Örtchen über dem Vierwaldstättersee, am Fuss des Skigebiets Stoss. Mein Parkplatz mit kurzem Fusszustieg ist frei und da es nach wie vor kein Schild gibt, was besagt, dass bouldernde Männchen mit gelben Hosen dort nicht parkieren dürfen, stelle ich das Auto da ab und gehe zu den Felsen.

Die liegen mitten im Wald an einem Wanderweg und sind gut erreichbar, meistens auch recht gut geputzt und es hat ein paar schöne Linien. Richtig leichte Sachen finden sich allerdings kaum, ein paar mehr oder weniger moosige 3er, sonst geht alles erst ab 5 aufwärts los. Das reicht mir aber auch gut. Der „Eisberg“ zeigt sich erstmal widerspenstig, eine schöne Kante, die mit einem Sitzstart beginnt und dann wie der Biancograt gen Himmel zieht. Allerdings hört sie dann in einer Höhe von 3,27 m schon wieder auf und besteht aus moosigem Kalk anstatt Firn und Eis. Blumige Beschreibungen hin oder her, es klappt nicht. Mist. 5+ und ich bin schon kräftig am scheitern. Aber wer sucht der findet und es zeigt sich dann doch noch ein Griffchen, was den „Gipfelsieg“ ermöglichen könnte – und tatsächlich, damit geht es recht gut.

Eine Kante am Block direkt daneben schaue ich mir dann kurz an und beschliesse aufgrund des miserablen Landegeländes darauf zu verzichten. Aber am gleichen Block weiter rechts gibt es „Wille und Mut“ – ersteres ist da, zweiteres wohl offensichtlich nicht: Start ist mit links an einem kleinen dreieckigen und sackscharfen Leistchen, rechts hat man eine recht gute Kante. Der rechte Fuss hat auch noch was halbwegs passables zum stehen und dann kommt ziemlich weit oben eine sehr gute Kante. Um die zu erreichen, braucht es den erwähnten Mut, mehrere Versuche scheitern kläglich. Zum Glück schaut keiner zu. Ich hatte die Kante zwar jetzt schon einmal in der Hand, aber vor lauter Überraschung hab ich dann direkt wieder losgelassen. Nochmal, nochmal und nochmal. Geht nicht, die Fingerhaut fängt langsam an, sich zu beschweren. Etwas weniger dynamisch? Könnte besser gehen, noch zwei Versuche, wieder nichts. Jetzt bleibt nur noch der letzte Trick: Fleecejacke ausziehen! Und siehe da, im nächsten Versuch gelingt es, ich kann die Kante halten und steige auf den Block aus, knapp neben einem Scherbenhaufen. Welcher Blödmann das war, weiss ich nicht, es ist aber ziemlich bescheuert, vor allem wenn man fast reinlangt. Auf jeden Fall, 6a+, immerhin.

Ich wechsle zu einem anderen Block und probiere mal wieder „1941“, eine definierte Platte an einem eingravierten Uri-Logo im Fels. 5+/6a. Nach zwei Versuchen, bei denen ich nicht mal abhebe schleiche ich auf die andere Seite und schaue mir „Pawlov’s Dog“ an. Den habe ich glaube ich schonmal gemacht. Er klappt auch direkt im ersten Versuch, ein ziemlich schöner Boulder mit Sitzstart an einem guten Untergriff und anschliessend immer leicht abdrängend an recht guten Leisten nach oben. Der Versuch, mir eine „Gehirnwäsche“ (6b) zu verpassen schlägt fehl, aber das könnte auch noch klappen. Ein Quergang entlang des Blocks, im Moment fehlt gerade die Kraft. „Dunkelkammer“ und „Trauermarsch“ (Mann, sind das stimmungsvolle Namen hier ) klappen auch noch gut und dann beschliesse ich, dass es für heute reicht.

Auf der Rückseite gibt es noch „Gentle-Mantle“, wo man an zwei Slopern (abschüssigen „Griffen“) startet und dann über einen Bauch auf den Block aussteigt. Da hab ich mir schonmal die Zähne ausgebissen, ich probiere es nochmal und – oh Wunder, es klappt und ich kann den noch mit einsacken. 2 x 6a+, 1 x 6a, 2 x 5+ und 1 x 4+. Das ist doch recht passabel dafür, dass ich anfangs schon wieder gehen wollte, nachdem erstmal gar nichts geklappt hat.

Vom Rückweg aus mache ich noch ein paar Fotos vom Vierwaldstättersee. Der Weg verläuft wie ein Höhenweg in bester Aussichtslage direkt gegenüber dem Rütli und ist sicherlich auch als Wanderung sehr schön. Mit meinem überdimensionalen Kissen auf dem Rücken laufe ich aber nur bis zum Auto und mache mich auf den Rückweg.

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