Surenenpass (Teilstück Via Alpina)

#storyHike'n'Trail

Am Samstag um 9.53 Uhr steige ich mit Patrick in Engelberg aus dem Zug. Es ist ein wunderschöner Herbsttag, eigentlich ist es so warm, dass man denkt, es ist noch August. So suchen wir uns den Weg durch die Strassen von Engelberg und die erste Überraschung, die uns auf unserer Wanderung begegnet, ist doch recht makaber. Der Wanderweg führt mitten durch den örtlichen Friedhof und gerade jetzt findet auch noch eine Beerdigung statt. Schnell tapsen wir an der Trauergemeinde vorbei und befinden uns schon auf einer grünen Wiese, immer der Sonne entgegen.

Wir verlassen das Dorf und kommen bald schon am Restaurant Alpenrösli vorbei. Der Weg führt an Wiesen vorbei und durch lichten Wald, vorbei an Weidengebüschen, die an der Engelberger Aa dem Druck durch Wassermassen, Schnee und Geröll auch in Winter stand halten und hier Fuss fassen können. Wir steigen gemächlich bergan und erreichen das Stäfeli, eine kleine Alp, die im Sommer bewirtschaftet ist und sogar ein Touristenlager besitzt. Zu dieser Zeit im Jahr kann man hier allerdings nicht mehr übernachten und wir biegen an der nächsten Wanderkreuzung ab und nehmen den Weg Richtung Spannorthütte in Angriff. Doch bevor wir den Anstieg in Angriff nehmen, machen wir erst mal Mittagspause. Mit Biobrot, Ziegenkäse und Wurstwaren von „ProMontagna“ (damit auch die Bergbauern unterstützt werden) geniessen wir ein leckeres Picknick und anschliessend ein Verdauungsschläfchen in der Oktobersonne.

Aber da der Weg vom Herumliegen nicht kürzer wird, brechen wir dann doch irgenwann auf, schliesslich wollen die restlichen 500 Höhenmeter noch überwunden werden. Der Weg zur Spannorthütte führt in steilen Grasflanken nach oben. In steilen Serpentinen schlängelt man sich im ZickZack den Berg hinauf und erst 30 Meter vor der Hütte taucht diese dann auch endlich hinter dem letzten Felsen auf. In der Nachmittagssonne erreichen wir also unser Tagesziel. Mit Schokolade und einer Portion Gemütlichkeit lassen wir die Zeit bis zum Sonnenuntergang vergehen, bevor wir uns im Innern der Hütte einrichten. Wir sind an diesem Abend die einzigen, die den „Winterraum“ (bei 20 °C Aussentemperatur ) der Hütte nutzen wollen. Patrick zaubert ein herrlich italiensiches Abendessen und nach einer Spielerunde verschwinden wir bald im Schlafraum.

Am nächsten Morgen räumen wir die Hütte auf, füllen die Wasserbehälter am Bach nebenan und brechen gegen 10 Uhr auf. Zuerst müssen wir wieder einige Höhenmeter von der Hütte Richtung Stäfeli absteigen. Zum Glück gibt es aber eine Querung, so dass wir nicht alle Höhenmeter „verlieren“ und früher Richtung Surenenpass abbiegen und aufsteigen können. Neben dem Stäuber, einem kleinen Wasserfall steigen wir weiter auf und erreichen von dort auf gemütlichem Weg die Blackenalp. Von dort schlängelt sich unser Weg weiter unterhalb von Wissig-, Blacken- und Brunnistock entlang. Kurz unterhalb des Surenenpass legen wir unsere Mittagspause ein. Und nicht nur wir, sondern auch die vielen Alpendohlen freuen sich über ein paar Stückchen Brot. Die letzten Meter zum Pass sind schnell zurück gelegt und auf der anderen Seite erwartet uns ein tiefes Tal mit einem langen Abstieg. Zuerst geht es steil hinunter und erst nach den ersten 800 Höhenmetern Abstieg wird es flacher.

Es ist mittlerweile Nachmittag und meine Knie machen sich dank des steilen Abstieges langsam bemerkbar. Mit dem Hintergedanken, ab 1400 m ü. M. mit der Seilbahn Brüsti die restlichen Höhenmeter zurück zu legen, laufe ich guten Mutes mit Patrick weiter. Die Knie werden allerdings immer schwächer und langsam hoffe ich, dass wir bald zur Seilbahn kommen. Doch dann die bittere Ernüchterung: im Eifer des Gefechts bin ich am Abzweig zum Bähnli vorbei gelaufen und sehe ein paar hundert Höhenmeter unterhalb der Bergstation die Gondel an uns vorbei schweben … Nun ist es also definitiv, die restlichen Höhenmeter müssen wir auch noch zu Fuss zurück legen.

Um 17 Uhr erreichen wir endlich Attinghausen. Mit weichen Knien, aber zufrieden über die wunderbare Zweitagestour lassen wir uns auf der erstbesten Bank nieder und warten auf den Bus, der uns zum Zug Richtung Heimat bringt. Ein tolles Herbstwochenende geht müde und glücklich zu Ende.

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