Über den Rickenpass nach Appenzell

#storyVelo

Bei der Tour ist irgendetwas mit der GPS-Datei schief gelaufen, viele Routenpunkte fehlen. Daher ist auch das Höhenprofil ziemlich ungenau – sorry!

Auf in die Ostschweiz! Bevor unsere lustige Fahrt nach Appenzell losgeht, fahren wir erst mal wieder ein Stückerl mit dem Auto – aber heute nur bis nach Biberbrugg. Dort packen wir die Velos aus und schon sind wir auf der Strasse unterwegs. Jetzt geht’s lange bergab – wir kommen durch Schindellegi und weiter bis nach Freienbach. Dort erreichen wir den Seedamm und gelangen nach Rapperswil. Immer auf der Rickenstrasse bleibend fahren wir bis nach Eschenbach. Die ersten Kilometer hier sind sehr mühsam. Bis wir Rappi hinter uns gelassen haben, mussten wir gefühlt an 20 Ampeln jedesmal anhalten und wieder anfahren, da es natürlich immer genau nicht mehr reicht, um mit beiden Füssen auf den Pedalen zu bleiben (bei mir zumindest). Dann nehmen aber auch die Ampeln ab und auch der Verkehr wird weniger.

Die nächsten Kilometer verlaufen mehr oder weniger gerade aus und unspektakulär flach. Immer der Route 8 nach erreichen wir schliesslich St. Gallenkappel. Von hier müssen wir nun ca. 200 Höhenmeter überwinden, bis wir schliesslich den Rickenpass erreichen. Wobei sich hier kein Pass-Feeling wie am Furka oder so einstellt. In Ricken selbst biegen wir dann auf ein ganz kleines Strässchen ab (Schönenbergstrasse). Hier ist nur Anliegerverkehr erlaubt und wir können endlich mal ungestört nebeneinander fahren und quatschen. An einzelnen Häusern und schönen Wiesen vorbei gelangen wir so bis nach Wattwil hinunter. Auf der Ebnaterstrasse fahren wir weiter Richtung Wattwil Zentrum, kaum auf der Hauptstasse angelangt biegen wir kurz darauf rechts ab und nehmen als nächstes den Anstieg nach Hemberg in Angriff.

Jetzt stehen also 370 Höhenmeter bevor. Die erste Rampe aus Wattwil heraus hat es gleich mal in sich. Der Anstieg ist steil und ich komme erst mal nur langsam vorwärts. Falko bleibt im ersten Stück bei mir und versucht, mich mit Grimassen oder Spässchen abzulenken – ob mein Lachen bei solch körperlicher Anstrengung förderlich ist, sei mal dahin gestellt, aber auf jeden Fall macht es gute Laune. Dann ist es ihm aber doch irgendwann zu langsam und er fährt ein bisschen voraus, um mal sein eigenes Tempo zu fahren. Ich hangle mich weiter von Strassenpfosten zu Strassenpfosten und trete fleissig vor mich hin. An einer ausgedehnten Kurve treffe ich aber wieder auf meinen Fotografen (der später fast alle Bilder wieder löschen wird, bevor wir sie hochgeladen haben). Mit einem lustigen Spruch auf den Lippen begrüsst er mich und ich „ziehe“ vorbei wieder Blitz (aber nur bis um die nächste Kurve) – und dann sind wir endlich oben.

In Hemberg steht erst mal eine Müsliriegel-Wasser-Pause an. Inzwischen hat sich meine Müsliriegelauswahl auf Sesam-Honig-Stängel erweitert. Super Energielieferanten von denen man noch lange nach der Pause was hat, weil die Hälfte davon extrem klebrig zwischen den Zähnen hängen bleibt. Aber lecker sind sie trotzdem. Von Hemberg aus geht’s nun gestärkt knappe 200 Höhenmeter über die Bächlistrasse bergab. Eine kurvenreiche und landschaftlich wunderschöne Abfahrt, die man hier machen kann – einfach herrlich – und auch die Strasse ist in einem guten Zustand. Unten angekommen wartet aber bereits der nächste 280 hm Anstieg, bevor man die Abfahrt nach Urnäsch geniessen kann. Dieser Anstieg hat es in sich und ich nage mittlerweile an meinen Reserven. Mir tut alles weh und ich wünsche mir nur noch endlich anzukommen. Auf 1068 m ü. M. erreichen wir endlich den höchsten Punkt dieses Anstieges und ab jetzt geht es endlich wieder bergab. Das Runterrollen funktioniert nach einer kleinen Stärkung wieder ganz gut und wir kommen endlich in Urnäsch an.

In Urnäsch halten wir uns rechts auf die Appenzellerstrasse, überqueren die Bahngleise und nehmen nun die letzten Kilometer dieser Tour in Angriff. Ich zehre nun wirklich von meinen letzten Kräften und bin froh über jede Motivation, die mir Falko im Moment geben kann – sei es in Form von Traubenzucker oder aufmunternden Sprüchen. Die Strasse schlängelt sich schön am Wissbach entlang und quasi direkt an der Grenze zwischen Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden. Aber das alles geht im Moment ein wenig an mir vorbei. Mein einziger Gedanke gilt im Moment dem Ankommen und daher bin ich sooo erleichter, als wir nach Gonten endlich unseren Zielort Appenzell erreichen.

Wir lassen uns durch die Strassen rollen, versuchen unsere Räder unbeschädigt durch die Touristenströme in der idyllischen Altstadt zu bugsieren und laden schliesslich auf der Sonnenterrasse eines netten Cafés, um uns mit Rivella und Schorle zu erfrischen.

Der Bahnhof ist dann schnell gefunden und der nächste Zug ist auch schon in Aussicht. Da wir auf die Schnelle im Zug kein Veloabteil finden, bleiben wir mit den Rädern deshalb in einem Vorraum stehen – ganze 30 Minuten. Aber wenigstens können wir hier die Tür zum Abteil schliessen und haben unsere Ruhe. In Herisau steigen wir dann in den Voralpenexpress um und geniessen die gemütliche Rückfahrt bis Biberbrugg, wo unser Auto schon auf uns wartet. Ich bin fix und alle, die viele kleinen und grösseren Anstiege und Abfahrten haben mir wirklich die letzte Kraft und Nerv geraubt und jetzt freue ich mich einfach auf eine entspannende Dusche und mein Bett – müde und glücklich – so sollte es immer sein.

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