Auch ein Rücken kann entzücken – Wanderung auf’s Grosshorn

#storyHike'n'Trail

An unserem ersten richtigen Ferientag im Vinschgau wollen wir uns einen Überblick über unsere neue Ferienregion verschaffen. Dazu steigen wir ein wenig in die Höhe und auf das Grosshorn, um dem sonntäglichen Verkehrschaos des Talbodens zu entkommen.

Direkt hinter der Residence Harmonie, an der Villa Waldkönigin vorbei, fängt unser ausgewählter Wanderweg schon an. An einem wunderbaren Rastplatz entlang schlängelt sich der Weg durch ein lichtes Wald- und Wiesengelände mit geringer Steigung empor. Erst an einem kleinen Schlepplift, beziehungsweise dem Sommergerippe davon, treffen wir auf den eigentlichen Wanderweg, der uns auf die richtige Fährte bringt. Wir biegen hier nach rechts ab und folgen dem nun steil aufsteigendem Weg.

Der nächste Wegabschnitt, der uns gute 500 Höhenmeter weiter empor führt, liegt zum Glück komplett im Wald und wir geniessen die Frische und den Schatten. Denn obwohl es noch Vormittag ist und wir uns bereits über 1600 m ü. M. befinden, ist es doch schon recht warm in der Sonne. Kehre für Kehre schlängeln wir uns also diesen Bergrücken hinauf und müssen zwischendurch immer mal wieder die pieksenden Tannennadeln aus den Socken zupfen.

Irgendwann werden unsere Mühen aber belohnt, der Wald wird lichter und ungefähr ab dem Punkt 2176 liegt der Weg nun in der Sonne. In einer kurzen Flanke, wo wenig Wind weht und die Hitze sich staut, sind wir umgeben von so vielen stridulierenden, also zirpenden, Grashüpfern, dass es eine wahre Freude ist. Ständig hüpft oder fliegt etwas über den Weg.

Auf 2200 m ü. M. lassen wir dann den Abzweig zur Plawenner Alm rechts liegen und steigen weiter den Rücken des Grosshorn empor. Mittlerweile haben wir den Gipfel des Grosshorn mit dem grossen Gipfelkreuz gut im Blick. Der ab 2300 m ü. M. auf der Karte als Steig gekennzeichnete Weg unterscheidet sich nicht wirklich von der Wegbeschaffenheit, wie wir sie bis hierher angetroffen haben. Ein paar schuttig-bröselige Stellen, die wir hier hinauf steigen, lassen mich zwar mit verzerrter Miene an den Abstieg denken, aber die Steilheit und die Gipfellust beschäftigen mich im Moment mehr, als der Gedanke ans Herunterlaufen.

Die letzten 300 Höhenmeter zum Gipfel steigen wir weiter den Rücken auf und geniessen bereits jetzt die tolle Aussicht ins Tal, auf die Seen und die umliegende Bergwelt. Und dann ist es nach guten zwei Stunden Anstrengung geschafft und wir stehen am Gipfel – dem Grosshorn.

Während Falko ein paar Fotos macht, schaue ich mich um und stärke mich erst mal mit meiner belegten Semmel. Aber irgendetwas stört … Hmmm, vielleicht sind es ja die vielen aufdringlichen fliegenden Ameisen, die hier ständig an einem herumfliegen und kitzeln. Anfangs versuche ich es noch zu ignorieren, aber gefühlt werden es immer mehr und auch die Flucht an ein anderes Ende des kleinen Gipfelplateaus bringt keine Lösung. Mittlerweile ist Falko fertig mit dem Fotoshooting und erfreut sich ebenfalls seiner Semmel. Aber auch er ist am zupfeln und zucken und genervt von dem ganzen Getier hier oben. Warum müssen es sich diese Viecher genau am Gipfel gemütlich machen? Schätzen die etwa auch eine gute Aussicht?

Aus einer geplanten gemütlichen Gipfelrast wird also eher ein hastiger Snack, bevor wir wieder den Rückzug ins Tal antreten. Ich hatte gehofft, dass wir nicht wieder den steilen Rücken hinunter müssen und statt dessen durch das Vivana Tal zur Grauner Alm und über den Arzweg absteigen könnten. Da wir dort unten am Innerboden aber schon wieder viele unserer geliebten Freunde, die Mutterkühe, stehen sehen, bleibt uns doch nur der Rücken-Rückweg.

So geht es für uns also wieder die Aufstiegsroute retour, wieder durch die Grashüpfer und Grillen hindurch und ein Stückchen weiter zurück in den Schatten spendenden Wald. Dort beobachten wir noch ein bisschen ein kleines Eichhörnchen, welches mehrmals unseren Weg kreuzt, bevor wir wieder unten am Schlepplift ankommen.

Am Rastplatz oberhalb von St. Valentin suchen wir uns ein gemütliches schattiges Plätzchen und essen in Ruhe und ohne fliegendes Getier unsere Semmeln zu Ende und geniessen den Ausblick über den Haidersee. Der perfekte Ausklang einer schönen Wanderung und Einstieg in einen entspannten Nachmittag auf dem Balkon.

 

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