Pazolastock

#storySchnee

Nachdem es gestern den ganzen Tag wie aus Kübeln geschüttet, beziehungsweise weiter oben geschneit hat und Klettern gehen auf Grund der nassen Felsen ohnehin nicht drin ist, funke ich Patrick kurz an und frage ihn, ob er auf eine Skitour Lust hat. Es passt und wir treffen uns um halb neun in Seewen und fahren dann hinauf nach Andermatt, um den Pazolastock anzugehen. Den Zug zum Oberalppass verpassen wir pünktlich um eine Minute, also gehen wir noch in das Stammcafé und vertreiben uns die Stunde Wartezeit mit heisser Schoggi Mélange.

Den Zug um 10:27 Uhr nehmen wir dann aber und lassen uns hinauffahren zum Oberalppass. Die Passstrasse ist seit dem Schneefall gestern gesperrt und wird wohl erst im Laufe des Tages wieder aufgemacht. War die Schneehöhe in Andermatt noch etwas miserabel, sieht es jetzt hier oben auf über 2000 m Höhe schon besser aus. Unsere Route verläuft nordseitig, da sollten wir doch einigen guten Schnee erwischen. Die Nebelschwaden lösen sich auch langsam auf – nur in unserer Flanke hält sich hartnäckig eine dichte Suppe. Na fantastisch.

Wir stiefeln los und haben das Vergnügen, die ganze Tour spuren zu dürfen – das wundert mich aber bei dem frühen Termin für eine Skitour auch nicht wirklich. Mit Karte und vereinzelten Blicken auf den Kompass manövrieren wir uns durch den Nebel, immer versucht, die flachen Passagen zu erwischen. Da es gestern doch einiges geschneit hat, müssen wir durchaus etwas aufpassen – der Schnee ist unten eher feucht und schwer, oben dann recht gepackt und liegt auf einer mässig stabilen Altschneedecke.

Nach einer Weile stehen wir dann auf einer Kuppe, im Moment ist es so eine Suppe, das es recht schwierig ist sich zu orientieren. Passt aber auf jeden Fall nicht so ganz ins Schema. Wir haben aber Glück und es reisst langsam auf, so dass wir erkennen können, dass ich mich insgesamt etwas zu weit rechts gehalten habe. Das ist aber nicht so schlimm und wir queren ein kurzes Stück nach Süden, wo wir wieder ansteigend Richtung Ostgrat des Pazolastocks weiter spuren. Hier hat es jetzt doch vereinzelt ein paar steilere Passagen, wir gehen einzeln und zügig und halten die Steilstücke möglichst kurz. Patrick übernimmt jetzt mal die Spurarbeit, er war allerdings auch schon fitter. Also nochmal Wechsel und dann erreichen wir den Ostgrat, wo uns die Sonne und ein ziemlich kalter Südwind erwartet. Hmpf … Theoretisch quert man nun hier ein Stück in die Südflanke des Pazolastock, die sieht allerdings im Moment nicht so berauschend aus, durch die Sonneneinstrahlung hat es hier schon einige Nassschneerutsche gegeben und eine ca. 100 m lange Querung ist wirklich steil. Skitechnisch bietet das Gelände ohnehin nicht allzu viel und so versuchen wir noch ein Stück den Ostgrat direkt anzugehen, aber die Steilheit wird dann für Ski einfach zu gross und oben müssten wir uns noch durch kombiniertes Gelände zu Fuss durchwühlen – das macht so keinen wirklichen Sinn.

Wir fellen hier ab, ziehen die Jacken, Mützen, Handschuhe und sonstigen Kram an und bereiten uns auf die Abfahrt vor. Der Schnee ist recht gut und auch mittlerweile dick genug, um ohne Skiblessuren hinunter zu kommen. Die Abfahrt geht so auch sehr gut vonstatten und man kann es richtig geniessen. Nur ganz unten wird der Schnee dann wieder etwas schwerer, aber mit etwas Tempo kommt man da auch noch sehr gut durch. Pünktlich fünf Minuten bevor der Zug kommt, stehen wir wieder am Bahnhof auf dem Oberalppass. Als wir wieder unten in Andermatt sind und die quellenden Nebelschwaden in der Schöllenenschlucht und den Nordalpen sehen, freuen wir uns – sieht so aus, als hätten wir alles richtig gemacht. Grösstenteils Sonne und nur wenig Wolken gegen das nasskalte Sauwetter, was uns auf der Rückfahrt erwartet – da fällt die Wahl trotz fehlendem Gipfel nicht sehr schwer.

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