Haselstaudener Wand und Allersdorfer Wand – Klettern in der Fränkischen Schweiz

#storyFels

Das alltägliche Bild dieser Tage: unten Nebel, oben (oberhalb 800 – 1000 m) Sonne und blauer Himmel mit Föhn. Dementsprechend warm ist es oben und auch in der Fränkischen Schweiz sagt der Wetterbericht sonniges Wetter voraus. Also fahren Marina und ich am Freitag zu ihren Eltern, die dort in der Nähe wohnen. Den Samstag und den Sonntag wollen wir dann in der Fränkischen Schweiz beim Klettern verbringen. Der Samstag Morgen sieht dann aber schon mal eher ernüchternd aus: graues, nebelverhangenes Wetter, dazu Temperaturen, wo man sich am warmen Kachelofen wohler fühlt als draussen im nasskalten Grau. Aber gut, wir ziehen uns warm an und fahren ins deutsche Klettermekka. Die Haselstaudener Felsen sollen es heute sein. Auf den typischen kleinen Strässchen geht es ins Trubachtal, wo wir im Weiler Haselstaude parkieren. Dass das Autothermometer 2° C anzeigt, ignorieren wir im Moment einfach mal und stapfen durch den herbstlichen Wald in fünf Minuten hinauf zu den Felsen.

Die erste Route ist nicht schwer, aber da mir sofort die Finger eiskalt werden, ist es ziemlich unangenehm und man fühlt sich eher wie in einer kalten Nordwand als an einer kaum 20 Meter hohen Kalkwand im Frankenjura. Immer wieder die Hände in die Taschen steckend (sofern möglich) krampfe ich mich zum Umlenker hoch und hänge das Seil als Toprope für Marina ein. Alles was schwerer wird, geht heute so ohnehin nicht, ich bin froh, wenn ich einen bierhenkelgrossen Griff halten kann, ohne dass die klammen Finger aufgehen. Im rechten Teil klettere ich dann noch eine einfachere Route, um sie für Marina einzuhängen – der oberste Haken fehlt allerdings irgendwie. Die Situation lässt sich aber mit einem Klemmkeil entschärfen und bietet auch für Marina dann nochmal eine schöne Kletterei.
Nach fünf Routen und immer wieder frierenden Händen (der leichte, kalte Wind macht die Sache auch nicht gerade besser …) packen wir unsere Sachen wieder ein und verdrücken uns in ein Café in Forchheim, wo es diverse heisse Schoggi und für jeden ein Stück Kuchen gibt.

Am Sonntag sieht das Wetter etwas besser aus, die Sonne zeigt sich sogar zeitweilig und der Nebel scheint nicht mehr ganz so dicht zu hängen. Diesmal fahren wir an die Allersdorfer Wand, ein kleinerer Felsen in der Nähe von Gössweinstein. Auch hier ist man innert weniger Minuten am Fels, beim Zustieg zeigt sich aber schon, dass es eventuell etwas feucht werden könnte, da der Fels im dichten Laubwald steht und die Feuchtigkeit von den Bäumen tropft. Im linken Teil sind eher schwere Routen, wir gehen erstmal in den rechten Teil hinüber, wo wir uns an einigen erstaunlich steilen 5ern und 6ern vergnügen können. Die Ausstiege sind zwar jedesmal etwas abenteuerlich, da es oben moosig und entsprechend feucht bis nass ist, manche Route hat nicht mal einen Umlenker. Aber es passt schon ganz gut und die schöne Kletterei entschädigt für die kleinen Mankos.

Heute läuft es auch deutlich besser als gestern, es ist zwar immer noch kalt und von allzu viel Sonne kann auch keine Rede sein, aber immerhin haben wir es ein paar Grad wärmer und es geht auch kein Wind mehr. Somit lassen sich auch kleinere Griffe halten und ich steige im rechten Teil noch in eine Route im 8. Grad ein. Unten ist es eine sehr schöne Kletterei an den typischen fränkischen Löchern, um den vierten Haken herum gibt es dann eine knackige Schlüsselstelle, die ziemlich bissig ist. Ich probiere es ein paarmal, Marina darf gleichzeitig noch ihre ersten Erfahrungen im Sturzhalten machen. Mist … Das Klippen des vierten Hakens würde so eine wacklige Aktion werden, das mag ich immer nicht so. Vor allem ist es blöd, wenn man genau in dem Moment, wo man das Seil dann in die eingehängte Expressschlinge hängen möchte, den Abflug macht – dann ist nämlich schon jede Menge Seil ausgegeben. Das ist nicht unbedingt ein Problem, wenn der Sichernde weiss, wie damit umgegangen werden muss, aber mit Marina ist mir das jetzt ein bisschen zu riskant und ich belasse es erstmal bei diesem Versuch.

Wieder unten steige ich noch in eine benachbarte Route ein, die allerdings schon unten mossig grün leuchtet und botanische Erfahrungen erster Güte verspricht. Moos hat natürlich auch beste Reibungswerte, der erste Haken sitzt auch in sturzunfreundlicher Höhe, lässt sich aber auch wieder durch zwei Klemmkeile entschärfen. Dann kommt erstmal wieder ein Absatz, der – klatschnass ist. Scheissdreck. Okay, oben geht es genauso mossig und nass weiter, da haben wir keine Lust drauf. Ich baue an dem Bohrhaken um und Marina lässt mich wieder ab, nachdem ich die Keile mit einigem Hin und Her wieder herausbekommen habe.

Mittlerweile ist es später Mittag und wir haben hier erstmal das Meiste abgegrast. Also packen wir wieder zusammen und geniessen in Gössweinstein noch ein erstaunlich günstiges und gutes Mittagessen, bevor wir wieder zurück fahren.

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