Per Bike und zu Fuss auf Chli Mythen und Gross Mythen

Gestern hatte ich mir vorgenommen, den Tag heute gemütlich anzugehen. Heute passiert nun das, was dann immer passiert: es ist bestes Wetter (gut, das war vorhersehbar), ich habe frei (auch das kommt nicht zufällig) und es wäre ja überhaupt faul, wenn ich mich nicht in irgendeiner Form bewegen würde. Ich hasse mich für diese sinnfreie Einstellung, aber das Einzige, was dann hilft, ist – richtig, irgendeiner sportlichen Aktivität nachzugehen.

In diesem Fall sieht die so aus, dass ich mir meine Laufschuhe in den Velo-Rucksack stopfe, eine Banane und diverse Müsliriegel dazu packe und schon sieht man mich frierend wie ein Schneider mit dem Mountainbike die Strasse von Oberiberg nach Unteriberg hinab fahren. Es soll heute ziemlich warm werden und daher habe ich von Anfang an auf kurze Hosen gesetzt. Eine Fleece-Jacke ist natürlich schon mit dabei, aber an die Hände pfeift es ziemlich und da bin ich ja ohnehin eher ein empfindliches Weichei.

Nachdem das Weichei durch Unteriberg hindurch geeiert ist, fährt es die Rennrad-Strecke bis zum Sihlsee, über das hintere Viadukt und auf der östlichen Seite bis nach Willerzell. Natürlich alles etwas langsamer als mit dem Rennrad und wahrscheinlich auch langsamer als all die hippen 27.5 Zoll oder gar 29 Zoll-Mountainbiker. Da bin ich natürlich mit meinen lächerlichen und altmodischen 26 Zoll-Felgen arg im Hintertreffen, fast schon auf Oma-Niveau. Erstaunlicherweise bin ich aber immerhin noch so schnell, dass der Fahrtwind nach wie vor für ein leichtes Frösteln sorgt. Erst der kleine Anstieg hinauf nach Birchli, nach dem zweiten Viadukt, kann dieses Problem langsam beheben.

In Einsiedeln fahre ich dann über den Klosterplatz (Gegrüsset seist du, schwarze Madonna!) und durch die verwinkelten Strässchen, bis ich ins Alpthal abbiege. Dieses fahre ich nun auf der recht eintönigen Strasse entlang mässig motiviert bis nach Brunni und biege dort links ab, um den Anstieg durch den Zwäckentobel hinauf zur Müsliegg in Angriff zu nehmen. Die gut 400 Höhenmeter zur Müsliegg fordern natürlich ihren Tribut, was man aber standesgemäss durch einen Müsli-Riegel wieder ins Lot bringen kann. Grösstenteils führt der Anstieg über eine kleine, asphaltierte Alpstrasse, erst am Schluss wird es für die letzten knapp 100 Höhenmeter etwas spannender und nicht ganz so easy zu fahren. Es ist teilweise relativ steil und grössere Gesteinsbrocken, Wurzeln und getrocknete Kuhfladen machen es nicht gerade einfach.

Oben auf 1426 Metern Höhe angekommen wende ich mich nach rechts und es geht noch über eine weitere, giftige Steigung hinauf, bis ich es dann mehr oder weniger bis zur Holzegg rollen lassen kann. Heute ist hier oben offensichtlich Rentner-Marathon, was mich zu verschiedenen waghalsigen Überholmanövern zwingt. Ich dachte immer, die heutigen Hörgeräte wären in der Lage, das laute Geräusch eines Mountainbikes, quietschende Bremsen und ein darauf sitzendes, “Hallo!”-rufendes Individuum zu empfangen. Da hätte eine Klingel auch nichts gebracht, eher bräuchte man so eine Art Schiffshorn.

Nun bin ich also an der Holzegg, verstecke das Bike hinter einem alten Gebäude und wechsle in die Laufschuhe. Die Bike-Schuhe bleiben hier, ebenso der Helm. Das Rad wird noch abgeschlossen und dann mache ich mich zu Fuss auf den Weiterweg in Richtung Alp Zwüschet Mythen. Ich würde zwar lieber den vier jungen, blonden Engländerinnen hinauf auf den Gross Mythen folgen, die gerade in diese Richtung an mir vorbei gelaufen sind. Aber es macht mehr Sinn, erst den Chli Mythen in Angriff zu nehmen (der technisch deutlich schwieriger ist) und danach auf seinen grossen Bruder zu steigen.

Also geht’s nun den flachen (und kuhfreien, juhuuuu! ) Wanderweg zur Alp Zwüschet Mythen entlang. Die Rentnergruppe hat mittlerweile auch schon Fortschritte gemacht und befindet sich nun wieder vor mir. Also nochmals, dieses Mal zu Fuss … 37 Grüezi’s später ist das dann überstanden und ich kann nun vor mich hinlaufen, bis ich an der Alp links zum kleinen Sattel abbiege, der genau zwischen den beiden Mythen liegt. Eigentlich hatte ich mir noch überlegt, dass ich den Chli Mythen überschreiten könnte, aber der dazu notwendige Weg ab der Alp ist dermassen verwachsen, dass ich ohne Machete da wenig Chancen sehe. Also bleibe ich auf dem üblichen Weg und erreiche wenig später den Sattel auf 1437 m Höhe.

Jetzt geht’s rechts weg und steil hinauf. Meine Beine finden das nicht so toll, dabei müssen sie nachher noch auf den Gross Mythen hinauf. Oh weh … Aber nach einiger Zeit finde ich dann in einen ganz guten Rhythmus und folge dem kleinen Pfad, der auf circa 1600 m ü. M. wieder den Wald verlässt. Ein älterer Mann sitzt hier in der Sonne und verfolgt mit seinem Fernglas einige Gämsen, ansonsten ist aber sehr wenig los – im Gegensatz zum Gross Mythen. Wir wechseln einige Worte, dann geht es für mich weiter hinauf bis auf den Vorgipfel. Ab hier wird der Aufstieg nun etwas alpiner und erfordert einige Male leichte Kletterei bis zum II. Grad. Vom Vorgipfel aus steigt man rund zehn Meter ausgesetzt ab, um dann mehr oder weniger auf und neben einem Grat weiter zum Gipfelaufbau des Chli Mythen zu laufen.

Hier hält man sich nun links, ein schwach ausgeprägtes Band hinauf, bis sich das Gelände zu einer schuttigen Passage zurücklegt, die ich nun vorsichtig hinauf steige. Es ist nicht schwer, aber durch den kleinen Kies überall muss man doch aufpassen, wo man hintritt. Ein paar einfache Kletterstellen später stehe ich dann am 1810 Meter hohen Gipfel, den ich bis auf ein älteres Ehepaar für mich alleine habe. Hier gibt’s nochmal Essen und Trinken, wobei ich feststellen muss, dass meine Getränkeplanung heute eher auf dem Niveau eines Greenhorns liegt. Eine 0.75 Liter-Flasche mit Wasser sind bei so heissem Wetter nicht gerade viel …

Ich teile mir also den Rest gut ein und mache mich an den Abstieg. Wieder die gleiche Route geht es zurück, zum Vorgipfel und die kleine Verschneidung wieder hinauf. Der Fernglas-Mann sitzt mittlerweile auch auf dem Vorgipfel und geniesst sein Vesper. Ich steige weiter ab und verliere rasch an Höhe, bis ich wieder in den schattenspendenden Bergwald eintauche. Die unangenehme Geräusch-Kulisse, die man seit mehreren Minuten hört, entpuppt sich wenig später als dauer-schnatternde Frau, die mir zusammen mit ihrem (wahrscheinlich tauben) Gefährten entgegen kommt. Junger Mann, an dieser Stelle ein Tipp: einfach das Tempo immer etwas mehr anziehen. Irgendwann ist dann Ruhe …

Sattel Zwischenmythen, Alp Zwüschet Mythen (hier gibt es wider Erwarten keinen Brunnen ) und der Weg retour zur Holzegg – die folgenden Minuten verlaufen wenig spannend. Im Schatten des Gross Mythen beschliesse ich, dass ich mir nun den letzten Rest aus meiner Flasche gönne und mir oben auf dem Mythen eine Flasche Mineralwasser besorgen werde. Das sollte dann soweit passen.

Kurze Zeit später erreiche ich dann wieder die Gafferegg. Sie wurde früher auch Holzegg genannt, aber seitdem der REGA-Helikopter dort am 29. September 2016 einen Patienten vom Wanderweg des Gross Mythen aufgesammelt hat und wirklich ausnahmslos jeder dort oben (und heute ist für einen Donnerstag erschreckend viel los …) seinen Hals nach diesem Spektakel verdreht hat, habe ich sie umbenannt. An jeder Menschenansammlung, an der ich nun vorbei komme, wird gefachsimpelt und ich habe den Eindruck, lauter kleine Piloten, Flugretter und Ärzte zu treffen. Mei oh mei …

Ich nehme nun den letzten Anstieg in Angriff und laufe auf dem Mythen-Wanderweg die ersten Kehren hinauf. Es ist unglaublich voll heute, was mich wirklich etwas erstaunt. Das andauernde Grüssen und Ausweichen ist etwas mühsam, aber da kann man nun nichts machen. Kehre um Kehre geht es nun hinauf, es läuft noch erstaunlich gut, trotz Mittagshitze in der Südwand. Es herrscht ein buntes Treiben und der ein oder andere wäre wohl lieber bei seiner normalen Tätigkeit als Litfasssäule geblieben. Ich bin mir nicht sicher, ob das noch gesund ist. Man kann ja trotz grösserem Körperumfang Wandern gehen, aber wenn man dann schweissüberströmt von einer Seite des Wanderweges auf die andere taumelt (was am Mythen unter Umständen böse enden kann), dann ist man vielleicht einfach fehl am Platz.

Nach rund 35 Minuten erreiche ich dann den Gipfel (ich frage mich ja wirklich, wie manche Irrsinnige es schaffen, in rund 30 Minuten ab Brunni (!) hier hoch zu laufen/fliegen oder was auch immer … ) und finde mich in einer einzigen Menschenmenge wieder. Das ist wirklich nicht besonders schön und so bleibe ich auch nur sehr kurz, kaufe mir eine Flasche Mineralwasser und begebe mich dann sofort wieder an den Abstieg. Ich weiss nicht, wie oft ich heute hier schon gegrüsst habe (und wie selten ich zurück gegrüsst wurde) und wahrscheinlich habe ich einen Grossteil der mir entgegen kommenden Personen schonmal gegrüsst …

Hinunter jogge ich den grössten Teil, soweit es die Verkehrssituation zulässt. Ich bin froh, als ich dann endlich unten an der Holzegg bin und mich zu meinem Bike begebe, welches noch an seinem Platz wartet. Ich wechsle wieder die Schuhe, setze den Topf auf und mache mich an den Rückweg zur Ibergeregg. Gleich nach dem Skihaus Holzegg wartet ein bissiger, rund 100 Höhenmeter langer Anstieg, der mir etwas den Zahn zieht. Die diagonal verlaufenden Regenrinnen alle zwanzig Meter machen die Sache nicht gerade leichter und ich muss immer einen kleinen Bogen fahren, um nicht in einem zu flachen Winkel auf die rutschigen Metalldinger zu treffen, was zu unschönen Szenen führen würde.

Oben angekommen, geht es nun für einige hundert Meter unterhalb der Rotenfluh entlang. Dann folgt die kleine Abfahrt zur Müsliegg und etwas weiter erreiche ich dann die Alpwirtschaft Zwäcken. Hier folgt nun der letzte, zackige Anstieg, wo ich einen lästigen Verfolger auf dem Bike abschütteln kann, bevor ich dann den letzten Kilometer zur Passhöhe der Ibergeregg in Angriff nehme. Aber hier folge ich nun der Passstrasse, die mich in rund zehn Minuten hinunter nach Oberiberg führt. Es wartet natürlich noch die nervige Gegensteigung in der Ortsmitte auf mich, aber danach kann ich es endlich ausrollen lassen und erreiche kurz darauf unsere Wohnung. Die folgenden Stunden verbringe ich dann mit geöffnetem Mund unter dem Wasserhahn liegend und lasse den Tag Revue passieren.

Details zur Tour

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Flüechrüz

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Sattelegg

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