Vegetations-Sünden auf einer Skitour am Roggenstock

Aktivitäten, Skitouren

Ich bin ja mal gespannt. Alle Jahre wieder gibt’s irgendwann im Bereich zwischen Mitte Oktober und Anfang Dezember einen richtig ergiebigen Schneefall, mit immensen Neuschnee-Mengen in den Bergregionen und oftmals Schneefall bis in Lagen unterhalb 500 Meter. Und ebenfalls war’s das dann alle Jahre wieder für meistens eine zermürbend lange Zeit, danach wird es nochmal richtig warm, sonnig und von der weissen Pracht bleibt wenig bis nichts übrig, um für eine gute Unterlage zu sorgen.

Auch 2016 ist jetzt zumindest mal der erste Teil meiner fundierten und auf komplexen wissenschaftlichen Methoden basierenden Langzeitprognose eingetreten. Nachdem es in der letzten Woche intensiv geschneit hat, präsentiert sich die Region Hoch-Ybrig dick verschneit und winterlich. Die erste Skitour auf das Laucherenstöckli am Freitag artete in eine Schinderei beim Spuren in teilweise hüfttiefem, lockeren Neuschnee aus, an Abfahrtsfreuden war dementsprechend nicht zu denken. Bis auf das wagemutige Abkürzen einer Spitzkehre vom Aufstieg brachte ich keinen Schwung zustande, ohne Schneeladungen vor mir her zu schieben, die einem Schneeräumfahrzeug alle Ehre gemacht hätten. Aber immerhin, die Skisaison war eröffnet, gestern konnte sich dann alles ein wenig setzen und Marina und ich haben eine schöne, kleinere Runde mit Schneeschuhen in der Mythenregion laufen können.

Heute geht’s nun nach einem prüfenden Blick aus dem Fenster auf den Roggenstock – keine nennenswerte Lawinengefährdung auf meiner Route, die Sicht ist auch gut und es schieben sich noch keine Kolonnen von Skitourengängern den rund 700 Höhenmeter langen Aufstieg hinauf.

Ich nehme meine alten Bretter, bei denen es auf einen Kratzer nicht mehr ankommt, und marschiere von Zuhause aus los, die Strasse entlang zum Parkplatz am Skilift Roggen. Dort steige ich in die Bindung und es geht über den altbekannten Anstieg hinauf. Hier habe ich dankenswerterweise schon eine gute Spur und kann dementsprechend das Tempo möglichst hoch halten. Auch einige Schneeschuhgänger waren schon unterwegs, haben aber erfreulicherweise ihre eigene Spur gemacht, vor allem im Abstieg. Mich stört es eigentlich nicht, wenn man mit Schneeschuhen in der Skispur aufsteigt, aber im Abstieg kann man damit schon als einzelne Person eine gute Skispur in Sekunden völlig zertrampeln und unbrauchbar machen. Das muss meiner Meinung nach auch nicht unbedingt sein.

Die kurze Steilstufe ist schon völlig zerrockt und auch der kleine Bach, der dort immer (!) fliesst, egal wie kalt es ist oder wieviel Schnee liegt, ist natürlich auch dieses Mal wieder schneefrei. Weiter geht’s hinauf, bis an das Skidepot, wo ich die Ski ablege und zu Fuss weiter zum Gipfel hinaufsteigen will. Bis ich sehe, dass alle anderen vor mir mit Ski oder Schneeschuhen bis zum Gipfel sind und ich den Fussanstieg selber spuren müsste. Aus Faulheit entschliesse ich mich dann, doch mit den Ski weiter zu gehen. Wie jedes Mal wieder ist es grenzwertig, um nicht zu sagen ziemlich dämlich. Man kann mit Ski aufsteigen, allerdings möchte ich mal jemanden sehen, bei dem das noch halbwegs elegant ausschaut und nicht ein angehender Kampf mit der Schwerkraft ist. Das man dabei aussieht wie ein Depp ist das eine, dass man aber bei dermassen geringen Schneelagen und fehlender Unterlage eigentlich nur die Vegetation zerstört, ist eine andere Sache. Es handelt sich vor allem nicht um besonders tolles Skigelände und ich ärgere mich ziemlich, dass ich nicht einfach zu Fuss aufgestiegen bin. So reihe ich mich in die ruhmreiche Reihe der Vollprofis ein, die hier hirnlos mit Ski aufsteigen, nur um am Ende wirklich bis ganz zum Gipfel mit Ski aufgestiegen zu sein. Respekt, Herr Burghausen!

Am Gipfel angekommen gelobe ich Besserung, schaue mich ein Weilchen um und werfe einen Müsliriegel in den Apparat. Dann wird abgefellt und ich mache mich an die Abfahrt. Die ersten Meter bestehen eigentlich nur aus Umspringen, Büschen ausweichen, Abrasieren von Sträuchern und Abräumen der letzten Schneeschichten vom Untergrund. Scheissdreck! Dann bin ich am Skidepot, ab hier kann ich es dann in richtig gutem Schnee laufen lassen und bin viel zu schnell wieder an der Steilstufe, die sich aber heute auch sehr gut fahren lässt. Kein Steinkontakt, keine verhärteten Spuren und schon ist man auch hier drüber hinweg und am Jäntli. Von nun an kann ich einige gute Hänge hinunter stieben, bis ich dann wieder die Aufstiegsroute erreiche und in Richtung Skigebiet Roggen hinüber quere. Hier ist noch nichts präpariert und mit kaum brennenden Oberschenkeln (ich lüge, sie haben ziemlich gebrannt, wie eigentlich immer bei der ersten Abfahrt der Saison … ) stoppe ich exakt am Übergang vom Schnee zu Asphalt am Parkplatz, nachdem ich die letzten Abfahrtsmeter hinter mich gebracht habe.

Es folgt noch ein kurzer Spaziergang mit geschulterten Ski und dann bin ich wieder zu Hause, nach einer schönen, kleinen und erfolgreichen zweiten Skitour der Saison 2016/2017.

Details zur Tour

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