Langlaufen in Bad Mitterndorf

Aktivitäten, Langlaufen

Seit Anfang diesen Jahres bin ich stolzer Besitzer von Zahnstochern. Es handelt sich um rot/schwarze Zahnstocher der Marke Rossignol, dazu gehören ein paar sexy schwarz-lackfarbene Schuhe mit roten Elementen (rrrrr … ? ), eine Art Bindung sowie Skistöcke, die mir bis zum Kinn gehen. Mit diesen Zahnstochern habe ich nun in den letzten Wochen die geheimnisvolle Kunst des Langlaufens, genauer gesagt des Skatings gelernt.

Nun muss man dazu sagen, dass ich mich normalerweise auf Ski wohl fühle, aus denen man von der Breite her sicherlich pro Ski mindestens ein Paar Langlaufski schnitzen könnte. Dementsprechend war der Start auch eher etwas holprig und der geneigte Zuschauer hatte das ein oder andere Mal Freude an meinen waghalsigen Manövern, die notwendig waren, um mit beiden Füssen auf Mutter Erde zu verbleiben. Ich war bereits letztes Jahr mit Leihski und Marina im Tannheimer Tal und habe dort drei Tage lang die ersten Schritte probiert. Die Betonung liegt auf probiert, denn der Erfolg war eher mässig, was natürlich an den Ski, den Schuhen der Bindung, den Verhältnissen, Marina und nicht mir lag. Wobei man fairerweise sagen sollte, dass die Verhältnisse (komplett vereiste Loipen) wirklich nicht besonders anfängerfreundlich waren.

Irgendwie hat es mir aber offensichtlich doch gefallen und vielleicht ist auch noch ein wenig etwas von meiner Kindheit übrig geblieben, wo ich mit meinen Eltern in Bad Mitterndorf in der österreichischen Steiermark viele Winter lang Langlaufen war – damals klassisch und wahrscheinlich nicht immer zu 100% motiviert. Zumindest erwecken die Fotos, die es von damals gibt, bei mir diesen Anschein …

Nun also habe ich bereits einige Male auf den Loipen rund um Studen und Unteriberg hinter mir und es läuft mittlerweile ganz gut. Ich habe mir (noch?) nichts gebrochen und auch nicht in einem Wutanfall die Ski zerbrochen. ? Um meinen Aufstieg zur Weltelite weiterhin zu pushen (und auch aus gewissen nostalgischen Gründen meinerseits) haben wir nun also beschlossen, für einige Tage nach Bad Mitterndorf zu fahren, um die dortigen Loipen unsicher zu machen. Die Gegend ist für das Langlaufen ideal, viele Kilometer Loipe für Skating und klassisch sind auf dem Hochplateau auf rund 800 Meter angelegt und bieten Langlaufspass in allen Schwierigkeitsgraden.

Nach der längeren Anfahrt via München, Rosenheim und Salzburg (der deutsche Teil war dank der deutschen Vollspinner auf den Autobahnen wieder besonders angenehm) und einem Zwischenstopp in Bad Reichenhall kommen wir am Nachmittag in Mitterndorf an und beziehen erstmal unsere gemütliche Unterkunft, die Sportappartements Gaiswinkler. Nach einer kurzen Pause ziehen wir nochmal los, da wir noch einkaufen müssen und beim Bäcker Brötli für morgens bestellen wollen.

“Sonntags gibt’s nix!” Die charmante Bedienung bei der Bäckerei klärt uns über die Lieferbedingungen des Brötchenservice im mondänen Bad Mitterndorf auf und wir schleichen danach geläutert ob unserer unverschämten Annahme, dass es Sonntags Brötchen gibt, wieder aus dem Laden. Immerhin ist für die anderen Tage gesorgt. ? Anschliessend besorgen wir uns noch Loipenpässe und machen uns auf den Rückweg zu unserer Unterkunft.

Am nächsten Tag beschränken sich unsere Langlaufaktivitäten gesundheits- und magenbedingt auf eine kleinere Runde, die wir direkt vor unserer Ferienwohnung auf der Sportloipe starten. Im stetigen Auf und Ab erreichen wir so nach kurzer Zeit den Parkplatz des alten Thermalbads Bad Heilbrunn, wo wir auf eine der regulären Loipen treffen. Es läuft allerdings relativ bescheiden, was zum einen an den ungewohnten Höhenunterschieden liegt, die man in teilweise beeindruckender Steilheit überwinden muss, vor allem aber an den unglaublich tiefen Temperaturen (bis zu -20° Celsius) und unseren mit falschem Wachs präparierten Ski. Wobei fraglich ist, ob nach sechs Stunden Autofahrt auf dem Dach überhaupt noch etwas von dem Wachs da ist und nicht alles mit Salz und Strassendreck überzogen ist.

Etwas entnervt machen wir uns also am Nachmittag mit unseren Ski auf zu einem Sportgeschäft, wo wir sie für den nächsten Morgen zum Wachsen abgeben.

Am andern Tag das gleiche Spiel: morgen ist es saukalt und Marina bemerkt extra, dass es vielleicht Sinn machen würde zu warten, bis es am Mittag etwas wärmer geworden ist. Ich weiss es natürlich besser und so starten wir mit unseren frisch gewachsten Ski bibbernd auf eine Loipe in Richtung Ödensee. Direkt nach dem Start möchte noch ein sehr dick bekleideter Mann (vielleicht muss das “bekleideter” auch weglassen, ich bin mir nicht ganz sicher …) von mir meinen Loipenpass sehen. Reichlich entnervt, dass ich schon wieder stehen bleiben muss und mich nicht endlich mal bewegen kann, damit es wärmer wird, krame ich das Ding aus dem Rucksack und bleibe ihm sicherlich als einer dieser unhöflichen Touristendeppen in Erinnerung. ? Es tut mir ausgesprochen leid, Sir.

Endlich können wir starten und nehmen die ersten Kilometer in Angriff, doch bereits kurze Zeit später wird unser zähes Vorankommen (sollte Marina mit dem kalten Schnee doch Recht behalten?) gestoppt, als wir einen kurzen, steilen Anstieg hinauf müssen und praktisch nur gehend an Höhe gewinnen. Die Ski rutschen überhaupt nicht und dass nur die Skatingspur überhaupt über diesen Hügel führt, die Loipe selber aber ohne Höhenunterschied rechts daran vorbei führt, hebt die Stimmung nicht gerade. Es folgt ein amüsantes Kasperl-Theater mit Marina und mir in den Hauptrollen, welches unter anderem eine erhöhte Stimmlautstärke und eine Verfolgungsjagd beinhaltet. Was dazu führt, dass wir kurze Zeit später erneut den Anstieg hinaufkriechen, während die Stimmung mittlerweile entgültig die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen hat. Es geht mühsam weiter, und auch die Tatsache, dass auch alle anderen offensichtliche Rutsch-Probleme haben, hilft nicht wirklich. Schlussendlich entschliessen wir uns kurz darauf, es für jetzt bei einer kleinen Runde zu belassen und machen uns auf den Rückweg.

Als nach dem Mittag der Friede wieder hergestellt ist, starten wir aber einen zweiten Versuch – wir starten aber jetzt nach einer kurzen Autofahrt von Obersdorf aus und wollen in Richtung Ödensee laufen. Jetzt klappt es schon deutlich besser und macht auch endlich einmal Spass. Technisch komme ich mittlerweile ganz gut vorwärts, auch wenn es noch einige Dinge gibt, die definitiv besser laufen könnten.

Es geht unterhalb der kleinen Kirche “Maria Kumitz” entlang, wobei ich mich erinnere, dass meine Eltern und ich (es waren wohl eher meine Eltern) sie früher gotteslästerlich als “Maria Kuhmist” bezeichnet haben. Die wichtigen Dinge sind mir also durchaus in Erinnerung geblieben. Danach rutschen wir durch eine Waldpassage, wo man sofort wieder merkt, dass die Sonne hier nicht geschienen hat und die Ski viel schlechter rutschen. Aber wir arbeiten uns trotzdem bis zum Beginn der Ödensee-Loipe bei Pichl-Kainisch vor und machen dort eine kurze Pause.

Nach ein paar Überlegungen und Müsliriegeln beschliessen wir, nur den vorderen Teil der Loipe rund um den Ödensee zu fahren. Der hintere Teil liegt komplett im Wald und im Schatten der Berge und wird dadurch nicht besonders angenehm zu fahren sein. Ausserdem ist es bereits relativ spät und sobald die Sonne weg ist, wird es wieder empfindlich kalt werden.

Nach einiger Zeit kommen wir so wieder zu unserem Rastplatz zurück, es folgt ein Stückchen Loipe, welches wir bereits auf dem Hinweg gefahren sind, bevor wir die Bahngleise überqueren und dann bei Heimreith wieder in Richtung Obersdorf zurück laufen. Vorher wollen aber noch zwei längere Anstiege überwunden werden und wir sind froh, als wir endlich oben stehen. Das sind durchaus andere Dimensionen als das Anfänger-Gelände bei Studen, welches wir sonst viel fahren.

Kurze Zeit später erreichen wir wieder das Auto und machen es uns für den Rest des Abends in unserer Ferienwohnung gemütlich. Marina hat leider etwas Probleme mit einem Arm und wir haben die Befürchtung, dass es sich um eine Sehnenscheidenentzündung handeln könnte. Das bewahrheitet sich dann leider auch am nächsten Tag, als wir uns wieder am späten Vormittag auf den Weg auf die Loipe machen. Bereits nach kurzer Zeit streicht Marina die Segel und macht sich wieder auf den Rückweg, um die Sache nicht noch zu verschlimmern.

Ich skate alleine weiter, dieses Mal in Richtung Tauplitz und auf den massigen Grimming zu, der das ganze Tal beherrscht. Bei eisigem Gegenwind fahre ich so mehr oder weniger elegant bis nach Krungl, wo ich nun auf die Loipe in Richtung Bad Heilbrunn abbiege. Es läuft ganz gut und macht wirklich Spass, als ich am Krunglbach entlang fahre. Diese positive Stimmung hält auch an, bis die Loipe in der Nähe des Duckbauer-Hofes mit einigen Ponys vorbeiführt. Ich mache ein kurze Pause, esse einen Müsliriegel und bin gerade am Fotografieren der Ponys, um Marina eine Nachricht zu schicken, als wildes Gekläffe ertönt und ein ziemlich grosser Hund über einen kleinen Wall vom Hof her auf mich zu rennt. Eine Frau auf einem Pferd hält ungefähr 100 Meter von mir entfernt und ruft, was den Köter natürlich ungefähr so viel interessiert wie mich das Ergebnis der letzten Schach-WM. Nach einer hässlichen Szene, in der ich das Vieh ziemlich wütend anschreie und er dann auch freundlicherweise erst einmal wieder von mir ablässt, ertönt ein weiteres Gebell, einige Oktaven tiefer. Das liegt daran, dass nun auch noch ein riesiger Bernardiner vom Hof her auf mich zustürmt und meine Laune entgültig im Keller ist. Madame auf dem Pferdchen rührt sich keinen Meter und belässt es bei Zurufen mit zartem Stimmchen, welches in dem Gewitter aus Hunde- und Falkogebell komplett untergeht. Die Begriffe, mit der ich sie kurz darauf bezeichne und sie anschreie, sie möge ihre Scheissviecher endlich einmal in den Griff bekommen, würde ich jederzeit wieder bekräftigen – und ihr auch liebend gerne noch eine in die Fresse hauen für die Entgegnung ihrerseits, dass ich halt dort nicht stehenbleiben solle, sondern weiterfahren soll. ?

Stinksauer (die Köter haben mittlerweile wieder den Weg zurück in ihr Dreckloch gefunden) mache ich mich kurze Zeit später auf den Weiterweg. Wenigstens ist nun die restliche Loipe nach Bad Heilbrunn schön. Direkt neben einem kleinen Flüsschen verläuft die Strecke im Wald mit leichtem Gefälle, welches natürlich immer Willkommen ist. ?Ab Heilbrunn drehe ich dann noch die Runde via Goaßhittn und gelange so nach einer Weile wieder an den Abzweig der Sportloipe, der ich nun die restlichen wenigen hundert Meter direkt bis zum Appartement folge.

Am nächsten Tag geht’s dann leider schon wieder nach Hause – aber es wird bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir uns auf den Loipen in Bad Mitterndorf herumgetrieben haben. ?

Langlaufdetails

  • 19.01.2017
  • Österreich
  • Bad Mitterndorf
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