Trailrunning-Runde über den Knutshøe im Jotunheimen Nationalpark

#storyHike'n'Trail

 

Wir starten mit dem Auto von unserer Ferienunterkunft bei Beitostølen und fahren in einer halben Stunde auf der 51 bis kurz vor der Abzweigung nach Gjendesheim. An einem kleinen Parkplatz bei Vargebakkan können wir unsere kleine Kiste noch halblegal abstellen (alle markierten Parkplätze sind schon belegt, aber so einen winzigen Suzuki Ignis bekommt man dann doch noch irgendwo verstaut) und machen uns anschliessend auf den Weg in Richtung Knutshøe. Das ist ein 1517 m hoher, eher langezogener Rücken rund 600 m über dem Gjendesee. Dahinter wiederum werden wir während der ganzen Tour eine tolle Aussicht auf den bekannten Besseggen-Grat haben. Wir wollen eine Trailrunning-Runde über diesen Berg machen und auf dem Rückweg durch das Leirungsdalen am See Øvre Leirungen wieder zurück zum Auto joggen.

Erst einmal geht es mehr oder weniger horizontal über ein paar kleine Bäche bis an eine Weggabelung, wo wir nachher von links wieder auf diesen Weg treffen werden. Wir halten uns aber rechts direkt auf die von hier aus etwas furchteinflössende erste Erhebung des Knutshøe zu. Der Weg beginnt auch direkt danach steil anzusteigen und aus dem Joggen wird ein zügiges Gehen, bis wir kurz darauf an eine erste Kletterstelle gelangen. Etwas verwirrt schauen wir uns nochmal um, aber das scheint die übliche Route zu sein und so nehmen wir die rund zehn Meter im II. Grad in Angriff. Eine etwas staubige Verschneidung führt uns in kurzer Kletterei auf einen Absatz hinauf, wo der Weg dann erstmal normal weiter verläuft. Hier können wir wieder in einen Laufschritt übergehen und die kommenden Höhenmeter hinter uns bringen.

Durch die langgezogene Form bewegt man sich von Kuppe zu Kuppe, immer ein paar Höhenmeter mehr hinter sich bringend. Es ist etwas schwierig abzuschätzen, welches nun der richtige Gipfel sein wird – nach der dritten oder vierten “Enttäuschung” lassen wir es dann gut sein und versuchen nicht mehr, den Gipfel zu “erraten”. Es ist wenig los, wir überholen nur eine Handvoll Personen. Vor uns türmt sich nun nochmal eine Erhöhung auf, die wieder nach Kletterei aussieht. Der erste Eindruck täuscht auch nicht und erneut nehmen wir 30-40 Meter im I. – II. Grad unter die Hände. Diese Stelle ist aber insgesamt einfacher als die ganz am Anfang, trotzdem ist Marina etwas angespannt und hofft, dass im Abstieg auf der anderen Seite nicht noch irgendwelche unangenehmen Überraschungen auf uns lauern. Abklettern ist bekanntlich immer deutlich anspruchsvoller als hinauf zu klettern und nicht wenige Personen haben sich durch die “Flucht nach vorne” schon in unangenehme Situationen bugsiert.

Wir erreichen nun aber erstmal den 1517 m hohen Gipfel und machen eine kleine Pause mit Müsliriegeln und etwas zu trinken. Ich checke kurz ein paar Webseiten und Routenbeschreibungen des Weiterwegs, aber schnell wird klar, dass es keine grossen technischen Schwierigkeiten mehr geben dürfte. Beruhigt können wir uns der Aussicht auf den Gjendesee und den Besseggen-Grat gegenüber zuwenden. Man erkennt auch von hier mit blossem Auge die grossen Mengen an Wanderern, die heute diese bekannte Wanderung in Angriff genommen haben. Von hier erkennt man auch schön die unglaublich langgezogene Geröllkuppe des 200 m höheren Veslfjellet. Wir können uns gut an unsere Wanderung vor zwei Jahren erinnern, als man das Gefühl hatte, nie anzukommen, weil dieses riesige Schuttplateau einfach kein Ende nehmen wollte. Aber wie auch schon einige Tage zuvor ist das für viele norwegische Berge ein typisches Bild: eher sanfte Kuppen, zwar teilweise mit steilen Wänden, aber oben einfach nur Geröll, das sich bis ins Nirwana zieht.

Wir machen uns auf den Weiterweg und joggen nun wieder hinunter, weiter nach Nordwesten bis Westen, dahin, wo sich der Øvre Leirungen in den Gjendesee ergiesst. Es folgen ein paar wirklich einfache und kurze Kletterstellen, die meiste Zeit können wir aber wirklich durchgängig joggen und über langgezogene Gneisplatten und -rücken hinunter tänzeln. Diese kurzen Einlagen auf diesem rauhen Gestein machen die Anstrengungen des Aufstiegs wieder wett und sind ein Grund, warum ich gerne Trailrunning mache. Es ist fast wie Tiefschneefahren. Aber wie auch beim Powdern im Neuschnee sind diese Passagen viel zu schnell zu Ende und wir finden uns in eher steilem, verwachsenem Gelände kurz vor dem Talboden wieder. Zwischen kleinen Sträuchern und Wurzeln hindurch schlängelt sich der Weg nun nach links und macht einen scharfen Bogen um den Fuss des Knutshøe herum. Kurz darauf sind wir dann unten angekommen und stehen mitten im Matsch.

Oh weh… Das Terrain scheint hier unten im Tal des Leirungsdalen eher moorig zu sein und wir müssen mit unseren leichten Trailrunning-Schuhen (und wir haben nicht die wasserdichten Dinger an) von Moosabsatz zu Stein zu Wurzel springen. Der Weg führt uns nun direkt unterhalb der Südwestflanke des Knutshøe wieder zurück in Richtung Strasse, aber noch haben wir einige Kilometer vor uns. Zwischendurch gibt es aber immer wieder Passagen, die gut begehbar sind und wo wir auch joggen können. Dann folgt oft wieder ein kleines Stück, wo wir uns unseren Weg suchen und aufpassen müssen, keine nassen Füsse zu bekommen. Aber insgesamt gelingt uns das ganz gut und wir kommen trotzdem noch recht flott voran. Trotzdem merkt man langsam, dass wir jetzt schon einige Kilometer und Höhenmeter in den Beinen haben und wir legen eine kurze Pause mit Traubenzucker und Müsliriegeln ein. Das Wasser geht langsam zur Neige, aber bis zum Auto sollten wir damit ganz gut hinkommen.

Die Landschaft ist hier sehr idyllisch, direkt am Seeufer, teilweise mit Schafen (und damit natürlich leider auch einer adäquaten Menge an Schafscheisse…) oder später direkt am langsam fliessenden Flusslauf. Es ist eher eine Art Flussdelta mit viel Gras am Ufer und nur wenigen anderen Wanderern. Insgesamt ein schöner Gegenpol zum überlaufenen Besseggen.

Der Weg wendet sich nun kurz direkt nach Osten und langsam zeichnet sich ein Ende unseres Laufes ab. Wir können schon eine kleine Hütte sehen, die sich wie wir wissen in der Nähe der Weggabelung befindet. Kurze Zeit später gelangen wir dann endlich wieder an die Kreuzung, wo wir einige Zeit vorher den Aufstieg in Angriff genommen haben. Wieder übersteigen wir hier den hohen Zaun, der das Ende der Schafweide markiert und nehmen den letzten Kilometer ein Stück zur Strasse hinauf in Angriff. Nach gut drei Stunden, über 13 Kilometern und rund 550 Höhenmetern stehen wir dann um einige Kalorien ärmer am Ausgangspunkt unseres Laufes und lassen uns erstmal auf eine Bank fallen, um mit einigen belegten Broten die Kohlenhydratspeicher aufzufüllen. Anschliessend fahren wir durch die atemberaubende Landschaft des Jotunheimen-Nationalpark wieder zurück, am Bitihorn vorbei nach Beitostølen und lassen den Tag gemütlich ausklingen.

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