Saarbrückner Hütte

#storyHike'n'Trail

Der Titel “Mal wieder ein Versuch an Gross Litzner/Gross Seehorn” erschien mir jetzt zu doof …

Schlussendlich war es allerdings genau das. Mit Patrick treffe ich mich am Samstag in Pfäffikon und wir fahren nach Sargans und noch ein Stück das Rheintal hinunter Richtung Feldkirch. Am Klettergebiet “Brochne Burg” verbringen wir den Vormittag und den Mittag. Wir grasen einfach eines der Massive komplett ab und klettern da alle Touren, die meistens sehr schön sind. Allerdings könnte man bei einigen Verbundhaken durchaus mal wieder Hand anlegen, denn sie lassen sich schon im Bohrloch drehen. Eine Route, die ich Anfangs Jahr mal geklettert bin, geht auch jetzt deutlich besser, das ist ja auch mal schön, wenn man da den Fortschritt bemerkt.

Gegen halb zwei starten wir wieder und fahren nach Österreich, wo wir uns noch kurz etwas zu essen für den Abend kaufen. Geschickterweise hat der Laden auch eine Wursttheke und so kann ich meinen Extrawurst-Bedarf mal wieder decken. Hihi … Für Abends holen wir uns Spaghettini mit Pesto und Lachs und ein Stückchen Käse dazu. Dann fahren wir los, ins Montafon und schrauben uns nach Zahlen der 14 Euro Mautgebühr für die Silvretta Hochalpenstrasse mit Patricks VW-Bus recht gemächlich die Strasse hinauf. Am Vermuntstausee parkieren wir und starten Richtung Saarbrückner Hütte, wo wir nach rund zweieinhalb Stunden ankommen. Der Winterraum ist noch leer und wird es auch bleiben. So muss das sein, die Berge für uns allein.

Wir richten uns häuslich ein und fangen an, Schnee zu schmelzen. Die Fronten der vergangenen Tage haben bereits auf der Höhe einiges an Schnee gebracht und so haben wir auf jeden Fall mal kein Wasserproblem. Einen Ofen hat es zwar nicht, nur einen Gaskocher, aber der Aufenthaltsraum ist so klein, dass das ausreichend ist, um eine gewisse Wärme durchs Kochen zu erzeugen. Unser Abendessen schmeckt sehr gut und wir quatschen noch eine ganze Weile. Patrick war im Sommer für drei Monate mit dem Fahrrad unterwegs, ist damit zu den Pyrenäen gefahren, hat sie dann in acht Wochen zu Fuss durchquert und ist dann wieder mit dem Velo zurückgefahren.

Marina schickt mir nochmal das aktuelle Wetter, was nicht mehr so berauschend ausschaut: die Kaltfront, die ursprünglich erst für Sonntag Abend angekündigt war, soll jetzt wohl doch schon bereits am Mittag da sein. Das gibt für uns ein Problem, da wir mit dem ganzen Neuschnee in der Route durchaus um die acht Stunden unterwegs sein dürften. Allzu früh können wir sowieso nicht starten, da es erst gegen halb acht hell wird und mehr als eine Stunde im Dunkeln bringt es bei der Tour nicht wirklich. Wir entscheiden uns, das Risiko nicht einzugehen, sondern nach der Übernachtung wieder abzusteigen und nochmal im Tal klettern zu gehen. Hmpf … Mistberg. Jetzt muss ich hier schon zum zweiten Mal den Rückzieher machen. Aber so ist es schon am Gescheitesten, eine überraschende Front oben am Grat wäre ziemlicher Shit.

Zumindest können wir so ausschlafen. Ich habe allerdings erstmal Probleme, überhaupt einzuschlafen, da es so schweinekalt im Schlafraum ist, dass auch vier Decken nicht ausreichen. Irgendwann kurz nach Mitternacht stehe ich nochmal auf und koche mir Wasser, um dann meine heisse Flasche an die Füsse zu legen. So geht es besser und ich kann dann auch gut schlafen. Abgesehen von den üblichen Aufstehern, wenn man mal für kleine Bergsteiger muss. Die Saarbrücker Hütte hat praktischerweise im Winter kein WC, dass heisst, man muss immer irgendwo vor die Hütte. Blöd wird es dann für grössere Geschäfte. Kann aber nur Patrick beurteilen, ich blieb von diesem Problem verschont.

Um acht wache ich auf, stehe auf und versuche mir das sehr schöne Wetter irgendwie schlecht zu reden. Allerdings streift schon jetzt die typische Bewölkung durch und es herrscht eine sehr starke und schnelle Südwest-Höhenströmung – typische Anzeichen für eine nahende Kaltfront. Wir frühstücken und steigen dann ins Tal ab, wo wir kurz vor halb elf am Auto eintreffen. Bei bestem Wetter. Dann fahren wir wieder hinunter nach Partenen, wo es noch einen schönen Klettergarten geben soll. Dort verbringen wir noch einige Stunden mit einigen sehr schönen Routen. Bei bestem Wetter … Es ist sogar halbwegs leer, nur fünf weitere Personen sind noch zugange, allerdings das mit wieder mal abenteuerlichen Sicherungsmethoden. Tuber nach oben abspannen, zehn Meter von der Wand weg stehen beim Sichern … Der Schutzengel hat wieder mal alle Hände voll zu tun. Aber es ist ja bestes Wetter, da macht das wohl Spass. Wo bleibt eigentlich diese Scheiss-Kaltfront??? Mittlerweile ist es drei Uhr und wir stehen immer noch voll in der Sonne. Fahren dann wieder los Richtung Schweiz, stehen im üblichen Feldkirch-Stau (bei bestem Wetter) und erst im Rheintal kann man dann so langsam mal ein paar aufziehende Schlechtwetterwolken sehen. Mittlerweile ist es aber auch halb fünf. wir wären längst wieder retour von der Tour. Dammdi Siiechi, wie es Steph jetzt ausdrücken würde. Aber gut, es war jetzt so und die Entscheidung war ja auch grundsätzlich richtig. Und wir haben ja trotzdem was draus gemacht, zwei Tage Klettern sind auch nicht verkehrt. So sind wir auf jeden Fall wieder gut zurückgekommen und ich kann jetzt hier sitzen und das tippen. Bei bestem Wetter und um mittlerweile 18:30 Uhr …

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